„Hello, I’m German“

Deutsch ist weit verbreitet in den USA. Das ist nichts neues. Immer wieder treffe ich hier Menschen, die mich erst aufgrund meines Akzents fragen, woher ich komme, um mir dann zu sagen, sie seien auch Deutsche. Na ja, nicht direkt. Ur-Urgroßmutter kam von dort. Woher? Keine Ahnung „somewhere from the Rhine river“. Andere erklären ganz klar, dass sie ein Fünftel Deutsche seien. Was das nun bedeutet, habe ich bis heute noch nicht rausgefunden. Deutsch sein ist also weit verbreitet in den USA und steht für alte Werte.

Nun hat das Slate Magazin die Daten einer Umfrage ausgewertet, in der es auch um die Sprachen geht, die in amerikanischen Haushalten verbreitet sind. Die beiden Hauptantworten waren klar: Englisch, Spanisch. Doch an dritter Stelle wurde oftmals Deutsch genannt. Slate hat daraus die Drittsprachen auf die USA Landkarte übertragen. Nach wie vor ist Deutsch also in jenen Teilen Amerikas zu finden, in denen sich die Einwanderer jahrhundertelang sesshaft gemacht haben.

Die Aussage, man spricht Deutsch, sagt allerdings nichts darüber aus, ob man mehr sagen kann als „Prost“ oder „Bratwurst“ auf dem lokalen Oktoberfest. Ist ja auch Deutsch, von daher, ich kann ja auch Türkisch, zumindest bis 10 zählen, „Merhaba, „Güle Güle“ und „Inschallah“ sagen. Und doch, viele Amerikaner sehen nach wie vor ihre (Teil)Wurzeln im Deutschen. Die deutsche Sprache ist dennoch in den USA am Aussterben. Universitäten und High Schools im ganzen Land schaffen immer öfters ihre Deutschprogramme ab. Die Teilnehmerzahlen an Deutschkursen sinken, die Einrichtungen müssen sparen, mit einem Rotstift ist alles vorbei. Deutsche Radioprogramme und Zeitungen werden dicht gemacht, die Hörer- und Leserschaft stirbt aus. Man versucht zwar von Seiten der Botschaft, der Konsulate und der Goethe-Institue gegen zu steuern, doch wenn sogar der deutsche Auslandssender „Deutsche Welle“ seine deutschsprachige Berichterstattung ganz einstellt und die mit Steuergeldern geförderte „Intitiative Musik“ keine deutschsprachigen Bands in den USA präsentieren will, dann ist das eine klare Ansage. Deutsch ist nicht mehr zeitgemäß.

6 Kommentare in “„Hello, I’m German“

  1. Eine kleine Anmerkung: Ein wesentlicher, leicht yu übersehender Faktor bei der Verbreitung der deutschen Sprache in den USA sind die Sprecher des Pennsylvania Dutch, bei dem es sich (meines Wissens) wohl eindeutig um einen deutschen Dialekt handelt. Insofern gibt es also allein aus dieser Gruppe ca 300,000 in den USA geborene deutsche Muttersprachler, Tendenz zunehmend. (Ich nehme mal an, dass das auch ein wesentlicher Faktor in der gezeigten Karte ist.) Das Statement “ Die deutsche Sprache ist dennoch in den USA am Aussterben.“ ist also nur eingeschränkt gültig, auch wenn es für die Verbreitung als Lehrfach an Schulen und Unis vielleicht leider passt.

    • Da haben Sie sicherlich recht, allerdings 300.000 sind bei einer Bevölkerung von 300 Millionen nicht sehr viel. Hinzu kommt, dass eben Deutsch immer weniger an Schulen gefördert wird. Deutsch wird zu einer absoluten Nischensprache. Die Karte zeigt das einfach nicht.

  2. Gebe ihnen Recht, dass Deutsche auffallend schnell bereit sind, ihre Mutterspracher aufzugeben. Meine eigene Einstellung dazu hat sich auch erst so richtig geändert, seitdem ich selbst Kinder habe, denen ich die Deutsche Sprache nahebringen möchte. Wir hier im nordöstlichsten Zipfel der kontinentalen USA haben das Glück, dass Vancouver (Kanada) nicht weit entfernt ist, wo es eine ziemlich große und aktive deutsche Gemeinde gibt (wohl auch, weil viele noch ziemlich „frisch vom Boot“ sind).

  3. Schön, dass man auch noch Dakota und Navajo spricht in Nordamerika. Und die Hmong-Enklave scheint mir besonders erfreulich, in SO-Asien werden die Sprecher immer weniger.

    … ogott, und Kopfrechnen muss man auch noch können wir das sogenannte Captcha, na denn ; )

  4. Ich bin kein Fünftel Deutsche aber ich glaube, dass die meisten von uns hier waren schon lange Einsprachige, und wir haben jetzt deutlich mehr Mehrsprachige, auh wenn die zweite öfters englisch oder spanisch ist, und es gibts normalerweise keine dritte.

    Es ist ja ein grosses Land and ausserhalbs den Städten können einige immer noch sein Leben lang keine Fremdsprachigen sogar kennenlernen, die kein Englisch sprechen. Also, man lernt es nicht.

    Alles ändert sich mit der Zeit, aber als ich noch in der Schule war, haben nur die Minderheit Fremdsprachen gelernt, und so ging es auch bis an der Uni. Kein Spanisch auch, gar nichts.

    Und wir, die irgendwelche gelernt haben, haben es auch meistens später verlernt, es sei denn wir Spanisch ausgewählt haben. 😉 sonst hätte ich immer noch fliessig Russisch und Französisch sprechen können, aber nach der Uni gab es nicht genug zeit zum üben…

    Wir sind stolz auf unsere Wurzeln, aber auch unsere Grossmütter kein italienisch mehr oder polnisch oder was auch immer spricht, und man fragt sich ja, warum braucht man sowas? Jeder spricht englisch, oder? Und javascript bringt mehr geld. 😉

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