Borderland außer Kontrolle

In Washington weiß man, dass man etwas tun muß. Doch nichts passiert. Zumindest nicht bis zur Kongresswahl im November und wahrscheinlich auch nichts mehr in der verbleibenden Amtszeit von Präsident Barack Obama. Eine Reform der Immigrationspolitik ist überfällig, doch beide Seiten können und wollen sich nicht einigen, sie schlachten vielmehr die katastrophale Lage an der Grenze zu Mexiko politisch für sich aus. Jeder auf seine Weise, Demokraten sind da nicht besser als die Republikaner. Das alles auf dem Rücken von Tausenden illegaler Einwandererr. Von Amerikanern, die im Grenzgebiet leben und sich von ihrer Regierung im Stich gelassen fühlen. Von Border Patrol Agents, die sich tagtäglich fragen müssen, was sie hier eigentlich machen.

Alter Grenzzaun an der US-Mexiko Grenze. Dahinter der neue Schutzwall, der jedoch nicht durchgängig ist.

Alter Grenzzaun an der US-Mexiko Grenze. Dahinter der neue Schutzwall, der jedoch nicht durchgängig ist.

Die Situation spitzt sich zu. Die Grenze ist nur an Teilstücken gesichert. Dort steht dann ein fünf Meter hoher Doppelzaun, Drohnen, Patrouillen, Kameras und Bewegungsmelder machen einen illegalen Grenzübertritt fast unmöglich. Doch etwas abgelegener von den Grenzstädten, mitten in der Wüste, findet man nur einen verrosteten Drahtzaun, der kein Hindernis darstellt. Aber je weiter man in die Wüste vordringt, umso gefährlicher wird die Reise Richtung Nordn. Allein zwischen Oktober und Mai sind 47.000 Minderjährige illegal in die USA gekommen. Im kommenden Jahr rechnen die amerikanischen Behörden mit fast 140.000 Kindern und Jugendlichen, die sich ohne Eltern ins „gelobte Land“ im Norden aufmachen. Und Washington handelt nicht. Man schiebt sich lieber gegenseitig den schwarzen Peter zu. Es ist eine humanitäre Krise riesigen Ausmaßes. Geld, Mittel und die Infrastruktur fehlen an allen Ecken und Enden, um diesen Menschenstrom zu versorgen. Notunterkünfte, Verpflegung, sanitäre Anlagen, nur wenig ist davon vorhanden.

Und nun ziehen auch noch amerikanische Milizen an die Grenze, um ihre „patriotische“ Aufgabe zu erfüllen. „All Texas & National Militia Available Please Converge Immediately“ war der Aufruf an Militia Gruppen in verschiedenen Internetforen. Bewaffnet wollen sie nun illegale Grenzgänger abschrecken, zurück schicken, verhaften. Die Situation an der 3145 Kilometer langen Grenze ist unüberschaubar geworden. Und der Ruf wurde gehört. Gleich an mehreren Teilstücken der Grenze wurden die ersten „Patrioten“ mit Knarren gesichtet. Wenn Washington nicht bald handelt, könnte es sehr schnell zu einer eskalierenden Lage an der Grenze kommen. Doch anscheinend will man genau das erreichen. Es paßt ins politische Kalkül.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *