Wie sich die Worte ähneln

Gerade habe ich mir die vielen Kommentare auf die Berichterstattung zur Demonstration und der Hungerstreikaktion in Nürnberg durchgelesen und wurde an die Kommentare hier in den USA erinnert.

Der Hallplatz in Nürnberg und die südkalifornische Grenzgemeinde Murrieta. Zwei Schauplätze, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch, sie verbindet derzeit eines; Flüchtlinge. Im Zentrum Nürnbergs treten Asylbewerber für ihr Bleiberecht in den Hungerstreik. In Murrieta blockieren Bürger ankommende Busse mit Flüchtlingen, vor allem Kinder und deren Eltern, die aus Mexiko und verschiedenen mittelamerikanischen Ländern illegal in die USA kamen. Die Not der einen ist die Häme der anderen. „Geht zurück, woher ihr kommt“ kann man hier und da hören. Die Orte sind austauschbar.

Protest in Murietta

Protest in Murietta

In den USA debattiert man über eine „Immigration Reform“, die aus politischem Kalkül von beiden politischen Lagern auf die lange Bank geschoben wird.  Und auch in Deutschland wird mit der Not von Asylbewerbern und Flüchtlingen Politik gemacht. Die Reaktionen darauf sind überall die gleichen. Eine lautstarke Gruppe wettert gegen die Fremden, eine, es scheint, Minderheit fordert Verständnis.

„Sozialschmarotzer“und „Kriminelles Pack“ werden sie genannt. „Jobs zuerst für Deutsche/Amerikaner“ wird gefordert. In den USA patroullieren bewaffnete Bürgermilizen entlang der Grenze, um illegale Grenzgänger zu stoppen, zu verhaften, abzuschrecken. Auch in Deutschland würden einige dieses „Recht“ gerne haben, Asylbewerber und Flüchtlinge eigenhändig „rauszuschmeißen“. Man muß nur zwischen den Zeilen der Kommentatoren lesen oder sich eindeutigere Seiten, wie die rechter Parteien, anschauen, dann weiß man, dass sich manche in Deutschland durchaus amerikanische Verhältnisse wünschen.

Das betäubende Geschrei, die unbegründete Angst vor den Fremden, hier und dort in den amerikanischen und deutschen Gemeinden, finde ich schockierend. Es ist eine Diskussion entstanden, die unsachlich und menschenverachtend geführt wird. Über die Gründe, warum es eigentlich Flüchtlinge, warum es Asylbewerber gibt, was Menschen dazu bewegt, ihre Heimat zu verlassen, was man daran ändern könnte, darüber wird so gut wie gar nicht mehr gesprochen. Weder hier noch dort. Es ist an der Zeit, den Krakeelern die Wortführung zu entreißen und sachlich über das zu sprechen, was wirklich passiert. Hier und dort.

 

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