Wenn der Mann in der Wüste brennt

Seit Montag campen wieder Zehntausende in der „Black Rock Desert“ in Nevada. Nordöstlich von Reno gelegen findet hier alljährlich das Burning Man Festival statt. Ein Ereignis, das einzigartig ist. Schräg, schrill, schön. Es ist ein Festival, ganz anders als alles was man kennt. Es geht um „Community“, um Kunst, um gemeinsames Leben, um Kreativität, um den Austausch, darum sich einmal auszuleben, wie man es normalerweise nicht tun würde. Und man kann sein, wie man will, alles geht, alles ist erlaubt, so lange es nicht gegen offizielle Gesetze und Burning Man Statuten läuft.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Aus Holz gefertigt, innen ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Eines der riesigen Kunstobjekte in diesem Jahr. Im Innenraum der gewaltigen Holzskulptur ist eine Rutsche angebracht. Fast im freien Fall sollen Teilnehmer ihre Ängste besiegen.

Was mich schon mehrmals in die Black Rock Wüste gezogen hat, war die Kreativität der Teilnehmer. Im letzten Jahr meinte ein Künstler zu mir, Burning Man sei“ die größte Galerie der Welt“. Und das stimmt, nirgends sonst ist das möglich, was hier eine Woche lang im Wüstensand passiert. Er hatte ein riesiges, tonnenschweres Stahlkonstrukt errichtet. Ein Objekt von unzähligen auf dem weiten ausgetrockneten Seebett. Künstler arbeiten in Teams ein ganzes Jahr lang, um hier für diese eine Woche ihr Projekt zu präsentieren. Und sie alle lieben es, egal, ob sie am Ende finanziell draufzahlen, ob sie in der Hitze, im Staub, in der Knüste sind. Burning Man ist einzigartig und wirklich, auch beim Schreiben dieser Zeilen, schwer in Worte zu fassen. Man muß es mit eigenen Augen gesehen, auf der eigenen Haut gespürt haben. Man muß diese besonderen „Burning Man Momente“ erlebt haben, die für mich jedes Jahr aufs neue passierten. Seltsame Zufälle, die einfach passieren, doch die einen ganz tief drinnen lächeln lassen. So ein warmes Gefühl des „Ja, das ist es“.

Auch nach mehreren Versuchen konnte ich dieses Jahr kein Ticket bekommen. Burning Man ist mit 68.000 Teilnehmern ausverkauft. Was ärgerlich war, der Schwarzmarkt florierte. Zwielichte Händler boten Tickets für das fünffache des Kartenpreises an, was absolut gegen eines der Grundprinzipien von Burning Man ist. Denn auf dem Gelände ist Kommerz unerwünscht, man kann nichts kaufen, alles wird geteilt, getauscht.

Aber vielleicht war es ein Zeichen vom „Man“ selbst, dass ich diesmal nicht dort bin, in diesem Jahr eine Pause einlege, mich auf meine anstehende Reise in den Tschad vorbereite. Sonntagnacht stürmte ein Unwetter mit Regen und Hagel über das gewaltige Areal. Der Boden wurde zu einem klebrigen Etwas, der Zugang für die „Burner“ wurde gesperrt. Erst Dienstagmorgen waren die Tore wieder geöffnet. Und nun die Meldung, dass am frühen Donnerstagmorgen eine Frau auf der „Playa“ von Burning Man tödlich verunglückte. Sie wurde von einem „Art Car“ überrollt. Ein Zwischenfall, der einen großen Schatten auf das friedliche Fest wirft, der den Kritikern sicherlich neuen Zündstoff geben, der aber hoffentlich nicht eines der seltsamsten, doch friedliebendsten Festivals verändern wird. Ein Kommentar unter der Nachricht über den Tod der Frau drückt eigentlich das aus, was viele der Teilnehmer heute denken: „If I died there, and I was really into Burning Man, I’d say put my body inside the Burning Man just before it gets lit. That’s how I’d want to go.“

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