Wer Ebola hat, ist selbst schuld

Wahlkampf 2012. In Florida trafen sich die Kandidaten des Tea Party Flügels in der republikanischen Partei zu einem Diskussionsabend. Moderator war Wolf Blitzer von CNN. Einer der Teilnehmer war der Texaner Ron Paul, im außerpolitischen Leben Arzt. Die Frage stand im Raum, was zu machen sei, wenn ein 30jähriger Mann, der gesund ist und sich gegen den Kauf einer Krankenversicherung entschieden hatte, plötzlich krank wird, in ein Koma fällt und ins Krankenhaus gebracht werden muß. „Genau das ist die Freiheit, eigene Risiken einzugehen“, meinte Paul. „Diese Idee, dass die Gesellschaft sich um jeden kümmern muß…“. Wolf Blitzer hakte da ein und fragte nach, ob die Gesellschaft den Mann einfach sterben lassen solle. Das Publikum reagierte, zahlreiche Besucher schrien laut und hörbar und lachend „Ja“ und „Genau“. Rand Paul reagierte und meinte „Nein“. Er habe selbst als Arzt gearbeitet und damals hätten Kirchen die Kosten für die Behandlung von Unversicherten übernommen. „Wir haben nie jemanden aus dem Krankenhaus verwiesen“, erklärte Paul.

Das Ebola Virus.

Das Ebola Virus.

Dieser Zwischenfall zeigt auf, wie das Denken in weiten Teilen der republikanischen Partei ist. Jeder ist für sich selber zuständig, jeder geht seine eigenen Risiken ein, die Gesellschaft kann deshalb nicht haftbar oder verantwortlich für die Entscheidungen eines einzelnen sein. Was das nun für die Ebola Diskussion in den USA bedeutet ist klar. Wer sich in Gefahr begibt, egal ob Doktor, Krankenschwester, Entwicklungshelfer oder Missionar, der ist selbst schuld, wenn er sich mit dem tödlichen Virus infiziert. Zahlreiche Konservative im Land, wie Donald Trump oder auch die Kolumnistin Ann Coulter, forderten sogar, dass keine Kranken aus Westafrika zurück in die USA gebracht werden. Sie sollten da bleiben, wo sie sind und dort behandelt werden.

Interessanterweise ist die derzeitige Versorgungskrise von Ebola Patienten eine fast selbstgemachte. Die Republikaner, die mit ihrer Mehrheit das Abgeordnetenhaus kontrollieren und jeden Vorschlag von Präsident Obama torpedieren, haben in den letzten Jahren gerade da den Rotstift angesetzt, wo eigentlich Investitionen fließen müßten. Die zuständige Behörde für Krankheiten, Viren und allgemeine Gesundheit, der  „Center for Disease Control“ (CDC),  wurde zusammengespart. Das Budget wurde seit 2006 auf die Hälfte herunter gestrichen. Nicht anders beim „National Institutes of Health“ (NIH), auch hier tanzte auf Initiative der Republikaner der Rotstift. Der Texaner Ted Cruz, heißer Kandidat fürs Präsidentenamt seiner Partei, ruft jetzt lautstark nach einer starken und handlungsfähigen Regierung. Im vergangenen Jahr pokerte er allerdings hoch, ließ die Zwangsbeurlaubung aller Regierungsstellen zu und verhinderte damit den Beginn wichtiger Tests und Untersuchungen des NIH.

Die Republikaner werfen der Obama Administration ein Totalversagen in der Ebola Krise vor und übergehen schlichtweg, dass sie die Rahmenbedingungen für die schlechte Vorbereitung geschaffen oder zumindest daran maßgeblich beteiligt waren. Nun ist Wahlkampf, Anfang November wird gewählt. Und die Ebola Krise ist zum heißen Thema geworden. Die Grenzen sollten dicht gemacht, die Kontrolle von Reisenden verstärkt werden. Die großen Verfechter des individuellen Rechts auf freie Bestimmung werfen den anderen vor, das amerikanische Gesundheitssystem ausgehöhlt zu haben. Zynischer kann ein Wahlkampf kaum noch werden.

 

 

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