Land im Kriegszustand

Nach dem Polizistenmord in Sacramento.

Nach dem Polizistenmord in Sacramento.

Schießerei an einer Schule in Washington State; 2 Tote, 4 Verletzte. Verfolgungsjagd in Sacramento; zwei tote Polizisten. Eine Frau wird mit tödlichen Schußwunden in Oakland gefunden. Ganz normale Nachrichten in den USA. Anfangs denkt man beim Hören oder Lesen oder Sehen der News, „nicht schon wieder!“, doch dann geht man zur Tagesordnung über. Und die heißt, man lebt mit dem Wissen, dass Amerika ein Land im Kriegszustand ist. Anders ausgedrückt. Ich lebe seit nunmehr über 18 Jahren in den USA. In dieser Zeit sind über 300.000 Menschen auf den amerikanischen Straßen, in den Schulen, in den Einkaufszentren, am Arbeitsplatz, in ihren eigenen vier Wänden mit einer Schußwaffe ermordet worden. Weitere mehr als 300.000 Selbstmörder haben sich mit einer Knarre umgebracht, meistens sich den Kopf weggeblasen. Innerhalb von 18 Jahren ist eine Bevölkerungsgruppe vergleichbar mit der Einwohnerzahl von Nürnberg und Fürth durch Schußwunden umgekommen. Das ist eine Tatsache, das ist Realität, das sind die USA.

Es gibt in diesem Land Narren, die fordern, Lehrer und Professoren, Blockwarte und Feierabendsheriffs, Briefträger und Supermarktangestellte, du und ich sollten das Recht und die Möglichkeit haben, immer eine Waffe bei sich zu tragen. Damit, so die Argumentation, ließen sich Mord, Vergewaltigung, Überfälle verhindern. Wenn ein böser Bube oder ein böses Mädel erkennen würde, dass das potenzielle Opfer eine 45er am Gürtel, eine Glock im Holster oder eine Ak-47 an der Schulter hängen habe, dann würde es keine Straftat geben. Das ist wahrhaft die Argumentation all jener, die auf ein vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz pochen. Ein Recht, das 1791 in die Verfassung aufgenommen wurde, von Männern (!), die Frauen nicht wählen ließen, die Sklaverei befürworteten, die alles andere als herausragende Kämpfer für eine allgemein gültige Demokratie waren. Und heute stellen sich tatsächlich Verfechter der amerikanischen Verfassung hin und verteidigen ausgerechnet dieses „Grundrecht“, das Jahr für Jahr weit über 30.000 Menschenleben im eigenen Land fordert. Das Gesamtbild dieser „großartigen“ Gründungsväter wird da nur verzerrt betrachtet. Man nimmt das, was man gut findet, und verschweigt jenes, was man lieber unter den Teppich kehrt.

Schulschießereien, getötete Polizisten, gefährliche Nachbarschaften, all das war, ist und bleibt Normalität in den USA. Nichts wird sich daran ändern. Amerika ist ein Land im Kriegszustand, und das an der Heimatfront.

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