Warum eigentlich Trinkgeld?

Am Ende zählt nur das Trinkgeld.

In San Francisco und Oakland gibt es einige Restaurantbesitzer, die das Trinkgeld ganz abschaffen wollen. Na ja, eigentlich nicht ganz. Zwar braucht der Gast am Ende nichts mehr groß dazu rechnen, aber dafür werden automatisch 20% Servicegebühr auf die Rechnung draufgeschlagen. So einfach ist das. Das Argument ist, damit werden die Trinkgelder fairer verteilt. Also auch jene bekommen was ab, die nur die Tische säubern oder die in der Küche arbeiten.

Nun ist Kalifornien ein Staat, in dem Angestellte im Restaurant-, Cafe- und Barbetrieb am meisten verdienen. Grundgehalt sind neun Dollar die Stunde (seit 1.7.2014), hinzu kommen Trinkgelder. Das ist nicht überall in den USA so. In 19 Bundesstaaten verdienen Kellner gerade mal 2,13 Dollar in der Stunde. Das hat der Gesetzgeber in Washington so verabschiedet, denn es ist ein Job, in dem man mit Trinkgeldern rechnen kann. Die Serviceindustrie ist die einzige in Amerika, die eigene Regeln hat, die weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt. Die Angestellten leben also vom Trinkgeld, doch die Frage ist, warum eigentlich? Warum muß der Kunde oder der Gast den Arbeitsplatz subventionieren? Warum erhält die Kellnerin oder der Kellner nicht ein Grundgehalt, von dem sie oder er leben kann?

Ich habe nichts dagegen Trinkgeld zu geben, wenn der Service gut war. Aber mir stößt es auf, dass ich damit ein unfaires Arbeitnehmerverhältnis unterstütze. Und nun soll man einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden, in dem automatisch 20 % draufgeschlagen werden. Als die Stadt San Francisco eine verpflichtende Krankenkasse für alle Arbeitnehmer forderte, drehten viele Restaurantbesitzer am Rad. Sie setzten die zusätzlichen Kosten des Arbeitgeberanteils auf die Rechnung, damit der Gast sehen konnte, was er für die angeordnete Krankenversicherung extra zahlen muß.

Wenn ich Besuch aus Deutschland habe, ist es zu einer Angewohnheit geworden, dass ich immer auf die Rechnung schiele, auch wenn ich eingeladen werde. Einfach um sicher zu gehen, dass derjenige oder diejenige die zahlt auch genügend Trinkgeld einberechnet. Das einfache aufrunden, wie es in Deutschland üblich ist, kann hier nicht gelten. Ja, es ist ärgerlich, dass man als Kunde ein unfaires Gehaltssystem unterstützt und unterstützen muß, dass auch noch vom Staat, dank einer intensiven Lobbyarbeit, abgesegnet wurde. Eine Ende ist nicht Sicht, von daher gilt die Faustregel in Kalifornien, den Steuersatz zu verdoppeln. In vielen anderen Bundesstaaten sollte man eben die 15-20 Prozent freiwillig draufschlagen. Es ist nicht zu ändern. Leider.

 

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