Wo Ronny und „The Hoff“ falsch liegen

Die Berliner Mauer in Kalifornien.

Die Berliner Mauer in Kalifornien.

Als am 9. November 1989 die Berliner Mauer brüchig wurde, war dies auch in Kalifornien ein Freudenfest. Auf seiner Ranch in der Nähe von Santa Barbara sah sich Ronald Reagan bestätigt. Er und viele Amerikaner waren (und sind noch heute) davon überzeugt, dass Reagan im Juni 1987 mit seiner Rede am Brandenburger Tor mit den Abbruchmaßnahmen anfing. Reagan der wortgewaltige „Demolition Man“, der Weitsichtige in der Geschichte.

Welche Bedeutung diese Rede des amerikanischen Präsidenten wirklich hatte, muß man offen lassen. Sie wird allerdings in den USA als eine der wichtigsten Reden überhaupt gefeiert und darf auf keiner CD fehlen, die sich mit Reagan oder der Präsidentschaft allgemein beschäftigt.

Kein Wunder also, dass in der Präsidentenbücherei von Ronald Reagan in Simi Valley ein Stück der Berliner Mauer steht. Und auch sonst wird Reagan ganz offiziell sehr eng mit dem Fall der Mauer in Zusammenhang gebracht. Der konservative Nachrichtenkanal FOXNews feiert in diesen Tagen den „Überpräsidenten“ als einen der wichtigsten in der amerikanischen Geschichte. Eben weil er mit seinen Worten „The Wall“ zum Einstürzen gebracht haben soll. Das war halt noch ein gestandener US Präsident, der der Welt zeigte, wo der Hammer hängt.

Und nicht zu vergessen ist „Bay Watch Man“ David Hasselhoff. „The Hoff“ brachte die Mauer zum Beben, so zumindest einige Darstellungen von „Looking for Freedom“. Amerikaner lieben solche Geschichten. Ein Präsident, der einfach sagt, weg damit und schon passiert es. Ein Sänger, der mit einer billigen Popschnulze Mauern einreisst. So einfach kann Geschichte sein. Warum nicht gleich so? Bei all diesen aktuellen Berichten in den USA über den Mauerfall werden eigentlich die vergessen, die Kopf und Kragen riskierten, die in den Montagsdemos marschierten, die eingesperrt, deren Leben zerstört wurden, weil sie an Freiheit, Demokratie und Mitbestimmung glaubten. Dieses historische Ereignis auf eine Präsidentenrede und ein popeliges Lied zu beschränken macht Geschichte zu einem Disneyabenteuer, zu einer patriotischen US Schnulze.

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In Kalifornien gibt es auch die größte Sammlung an DDR Produkten, Kunstobjekten, Alltagsgegenständen, eben alles was mit Honeckers SED Regime zu tun hatte. Das Wende Museum in Los Angeles wurde nach der Wiedervereinigung gegründet. Damit will man ein Stück Geschichte bewahren, die, so glaubt man, zu schnell vergessen werden würde. Berlin ist ja die „Sister City“ von Los Angeles, also eine ganz besondere transatlantische Brücke besteht zwischen beiden Metropolen.

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