Grammy Nominierung für deutsche Produktion

Die Grammys sind eigentlich für die Tonne. Eine Auszeichnung, die immer an die gleichen Verdächtigen aus dem Pop und Rock Geschäft ausgegeben wird. Damit feiert sich die Musikindustrie jedes Jahr aufs Neue selbst. Nach dem Motto, wer viel verkauft, muss auch gut sein, dafür gibt es dann auch noch einen Grammy. Es geht nicht um Innovation, um musikalische Impulse, um die Bedeutung eines Albums oder einer Band, nein, es geht vielmehr um die perfekte Anpassung ans glitzernde Showgeschäft.

Das einzigartige Monumentalwerk "Black Europe" ist für einen Grammy nominiert worden.

Das einzigartige Monumentalwerk „Black Europe“, veröffentlicht auf Bear Family Records, ist für einen Grammy nominiert worden.

Umso verwunderlicher ist es, dass in einigen Unterkategorien wirklich gute Veröffentlichungen nominiert werden. Ich kann es mir nur so erklären, dass da andere Leute auswählen und entscheiden. Musikliebhaber, Sammler, Kenner. In der Kategorie „Historical Album“ wurde nun auch die sagenhafte und einzigartige Box „Black Europe“ nominiert, die auf dem deutschen Label „Bear Family Records“ veröffentlicht wurde und an der auch Rainer Lotz, einer der wohl bedeutendsten deutschen Musikhistoriker maßgeblich mitgearbeitet hat. Ein Monumentalwerk der Extraklasse, an dem jahrelang gearbeitet wurde. Archive und Sammlungen in aller Herren Länder und auf allen Kontinenten wurden durchstöbert auf der Suche nach Aufnahmen schwarzer Künstler im Europa vor 1927.

Und sie haben mehr gefunden als sie erwarten konnten. Auf 48 CDs ist ein umfassendes und beeindruckendes Klangbild des frühen 20. Jahrhunderts entstanden. Neben den Vorläufern der Popmusik kann man hier Aufnahmen von schwarzen Kriegsgefangenen des ersten Weltkrieges hören. „Black Europe“ ist eine einzigartige Geschichtsbox, angereichert mit zwei umfangreichen Büchern, die die Zeit, die Musik, die Umstände erklären, in denen diese Aufnahmen entstanden. Es ist kein Werk, das man einfach so mal nebenbei anhört. Es erfordert Mühe, Zeit und vor allem Interesse des Hörers, sich durch diesen unglaublichen Berg an Aufnahmen und Informationen zu graben. Es ist eine besondere Schatzsuche. Hier kann man auf musikalischer Wurzelsuche gehen.

„Black Europe“ ist ein Liebhaberwerk, das dem Plattenlabel und den daran arbeitenden Musikhistorikern wenig finanziell einbringen wird, denn die Auflage ist gering, der Preis für diese Riesenbox sehr hoch. Und doch, sie mußte erscheinen, genau so, wie sie da steht. „Black Europe“ setzt neue Maßstäbe für geschichtliche Veröffentlichungen. Diese Box hat einen Grammy mehr als verdient. Es wäre auf der internationalen Bühne eine Anerkennung für ein Lebenswerk.

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