Amerika und die Todesstrafe

Die neue Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von San Quentin.

Die neue Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von San Quentin.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ein neuer Bericht zeigt, in den USA wurden in diesem Jahr weniger Menschen hingerichtet und weniger Todesurteile ausgesprochen. Todesstrafengegner werten diese Zahlen als ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändere, Amerikaner schon bald ganz die „Death Penalty“ abschaffen werden.

In Zahlen ausgedrückt heißt das, 2014 wurden 35 Verurteile hingerichtet, im Vorjahr waren es noch 39. Die niedrigste Zahl seit 25 Jahren. Insgesamt verhängten Richter in diesem Jahr 72 mal die Höchststrafe, im Vorjahr war es noch 79 mal. So „wenig“ wie seit 1972 nicht mehr, als das Verfassungsgericht die meisten Todesstrafengesetze in den USA für verfassungswidrig erklärte.

Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien mit seiner überfüllten „Death Row“, in der 750 Todeskandidaten auf den Tag X warten, wurden 2014 „lediglich“ 14 Todesurteile ausgesprochen. Die Richter und auch die Geschworenen wissen, hier hat der Henker seit 2006 nichts mehr zu tun. Noch immer gibt es einen angeordneten Stopp für alle Exekutionen.

Ob diese gesunkenen Zahlen bei Urteilen und Hinrichtungen tatsächlich ein Anzeichen für eine Neuausrichtung der USA gesehen werden kann, sei dahingestellt. Ich glaube es nicht. In Umfragen spricht sich noch immer ein Großteil der Amerikaner für die Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn Politik aus. Wobei ich nicht viel von Umfragen halte, doch Tatsache ist, es bedarf nur eines brutalen Kindsmordes, eines durchgeführten Terroranschlags, eines vielbeachteten und in den Medien ausgeschlachteten Gewaltverbrechens und schon schreien Jim und Johnny, Mary und Angela von Florida bis nach Washington State wieder „Rübe ab“.

Das ist in Deutschland nicht anders, nur kann es da – zum Glück – nicht gesetzlich umgesetzt werden. Denn auch in Deutschland glauben nach wie vor viele an den Sinn und den Zweck der Todesstrafe. So unterschiedlich sind Amerikaner und Deutsche dann wohl doch nicht.

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