Der Wert des geschriebenen Wortes

Als jemand, der in den Medien arbeitet, bekomme ich hautnah die Veränderungen mit. Und nein, das soll jetzt hier kein neues Wehklagen über das böse Internet werden. Die Dinge haben sich geändert, das wissen wir alle. Mit dem Eintritt ins Online-Zeitalter hat sich vieles verschoben. Nicht nur für meinen Beruf. Zeitungen verschwinden, werden nur noch in gekürzter Form gedruckt. Radio- und Fernsehsender berichten über wichtige Ereignisse in leicht verständlichen Häppchen, damit die junge Chat-Generation es auch versteht. Heute werden Schlagzeilen online gelesen, dann ist man informiert. Mehr braucht es nicht mehr. Alles klar!

Amazon bestimmt was gelesen wird.

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Natürlich übertreibe ich ein wenig. Und doch, ich hatte und habe immer wieder Diskussionen über Journalismus und all das, was ich mache. Mir wurde schon gesagt, dass meine Radiofeatures nur im „Minderheitenradio“ ausgestrahlt werden, auch wenn es sich dabei um deutschlandweite Programme handelte. Oder ich wurde gefragt, warum ich nicht für die BILD schreibe, damit würde ich wenigstens Leute erreichen. Auch schön sind die Ratschläge für meine Radio Goethe Sendung, ich sollte mich mehr an den Charts orientieren, dann würde mich auch jemand hören. Wenn ich all das ernst nehmen würde, dann könnte ich gleich einpacken und umschulen. Wer hat einen Job für mich?!

Aber es stimmt, es wurmt mich, wie heute mit Medien- und Kunstschaffenden umgegangen wird. Da passt die Nachricht gut rein, dass der Onlinegigant amazon Autoren immer weiter unter Druck setzt und Bücher nur noch verramscht. Im Kindle Angebot gibt es ein Monatsabo für $ 9.99, das einem den Zugang zu einer virtuellen Bibliothek aus Hunderttausenden von Büchern beschert. Für die Schriftsteller bleibt da am Ende nicht viel übrig. Wer im größten Handelshaus der Welt dabei sein will, muß sich diesem Preisdiktat unterwerfen. Der Kunde, Käufer, Leser verlangt es so, wird einem immer wieder weisgemacht. Die Arbeit eines Autoren wird damit nicht mehr geschätzt. Es ist nur noch Massenware, die beim Discounter an der Ecke mal so nebenbei mitgenommen wird. Ein Buch hat anscheinend den Wert verloren, den es als Kulturgut inne hatte. Kleinere Verlage geraten unter Druck, Autoren müssen beim Schreiben an Verkaufszahlen denken. Wo führt das hin?

Ich weiß nicht genau, warum mich solche Nachrichten stören. Ich kann es ja eh nicht ändern. Na ja, es liegt wohl daran, dass das Schreiben mein Beruf ist und ich Bücher in gedruckter Form und Musik zum Anfassen auf LP und CD liebe. Und ich frage mich öfters, wohin der Weg noch geht, wenn man all das so sehr verramscht, dass am Ende nur noch ein oller Einheitsbrei übrig bleibt.

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