Eine Tat mit Vorbild

Das Urlaubsfoto von Andreas Lubitz an der Golden Gate Bridge. Amerikanische Medien haben es nicht gepixelt, es ist überall zu sehen.

Das Urlaubsfoto von Andreas Lubitz an der Golden Gate Bridge. Zahlreiche Amerikanische Medien haben es nicht wie deutsche Zeitungen gepixelt, es ist überall frei zu sehen.

Was ich in amerikanischen und deutschen Zeitungen über den Absturz des Germanwings Airbus lese ist erschütternd. In vielerlei Hinsicht. Die Katastrophe als solche, unschuldige Passagiere, die in den Tod geflogen wurden. Das Drama vor und im Cockpit, aufgezeichnet auf dem Sprachrekorder. Ein Co-Pilot, der wohl unter Depressionen litt und etwas tat, was unvorstellbar zu sein scheint. Nach allem, was ich gelesen habe, sieht es danach aus, dass er den Freitod wählte und 149 Passagiere und Crew Mitglieder mit in den Tod nahm. Und dann die Berichterstattung, hier und dort, unglaublich, was alles geschrieben wurde. Wie Angehörige und Betroffene interviewt und gezeigt, wie Betroffenheitsmeldungen und Falschnachrichten verbreitet wurden. Im 24/7 News Cycle muss geliefert werden. Dann das Bild von Andreas Lubitz am Golden Gate, dort, wo es tagtäglich Tausende von Touristen hinzieht auf die Marin County Seite der Brücke. Ein harmloses Urlaubsbild, dass mich nachdenklich gemacht hat.

Klar, im ersten Augenblick dachte ich an einen terroristischen Anschlag. Dann kamen Informationen von einem technischen Schaden. Dann wurden Einzelheiten veröffentlicht, die mehr Fragen aufwarfen als Antworten lieferten. Und nun sitze ich da und lasse alles sacken und irgendwie ist da nur Unverständnis.

Depressionen, so ein nichtssagendes doch gewaltiges Wort. Es geht für einen Betroffenen einher mit einem Gemisch so vieler anderer Gefühle. Vom nicht wahrgenommen werden bis hin zum überflüssig sein. Und nein, all das ist keine Erklärung und auch keine Entschuldigung für das, was passiert ist. Erklären und entschuldigen kann man solch eine folgenschwere Tat nicht. Ich habe mich das oft gefragt, nachdem ich über Amokläufe in den USA berichtet habe. Warum macht ein Täter das, warum, wenn er depressiv ist, bringt er sich nicht selber um, warum reißt er andere mit sich in den Tod, mordet, verletzt, zerstört Familien? Eine Antwort darauf gibt es wohl nicht. Vielleicht ist es einfach die, die in diesem Augenblick treffend und doch so unpassend ist; derjenige wird wahrgenommen, jetzt und für eine lange Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *