Kein Platz mehr im Todestrakt

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

731 Männer und 20 Frauen sind in Kalifornien zum Tode verurteilt. Sie warten zum Teil schon seit fast 40 Jahren auf ihre Hinrichtung. Die Frauen sind in einem Sicherheitstrakt im Frauengefängnis von Chowchilla untergebracht, die Männer im ältesten Staatsgefängnis des Bundesstaates in San Quentin. Und hier sind sie einzeln in einer 1,20 Meter mal 2,60 kleinen Zelle weggesperrt. Die „Death Row“ in San Quentin kann 715 Gefangene aufnehmen, doch diese Zahl ist schon lange überschritten worden. Nun verlangt Gouverneur Jerry Brown vom kalifornischen Parlament eine finanzielle Spritze in Höhe von 3,2 Millionen Dollar, um weitere Todeskandidaten in anderen Zellenblöcken der „Bastille by the Bay“ unterzubringen. Angedacht sind 100 umgebaute Zellen und Waschräume.

Eigentlich war schon lange ein Neubau für die größte „Death Row“ in den USA geplant, doch nach wie vor ist fraglich, ob und wie lange es die Todesstrafe in Kalifornien überhaupt noch geben wird. Seit 2006 wurde kein verurteilter Mörder mehr hingerichtet. Damals war ich als Medienzeuge zur Hinrichtung von Michael Morales geladen worden. Die Aufgabe wäre gewesen, der Verabreichung der Giftspritze zuzusehen und anschliessend anderen Medienvertretern über das zu berichten, was ich gesehen hätte. Die Exekution wurde in letzter Minute gestoppt. Ein Bundesrichter verlangte, dass ein Arzt während dieser Prozedur dabei sein sollte, doch kein Mediziner ließ sich auf die Schnelle finden. Seitdem gab es in Kalifornien keine Hinrichtung mehr. Die Legalität des Giftcocktails und die gesamte Verfassungskonformität der Todesstrafe wird seitdem angezweifelt und vor den Gerichten diskutiert.

Und die „Death Row“ wächst dennoch weiter. Jedes Jahr kommen rund 20 neue Todeskandidaten hinzu. Seit 2006 ist die Zahl der Verdammten von 646 auf 751 angewachsen. 49 Häftlinge starben in dieser Zeit an Selbstmord, Krankheiten, Drogenmißbrauch oder aus anderen Gründen hinter den dicken Mauern des Todestrakts.

 

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