Hillary ist in ihrer eigenen Liga

Das gibt es doch gar nicht. Eine Kandidatin will Präsidentin werden und spricht nicht mit Medienvertretern. Obwohl sie auf Schritt und Tritt von Journalisten verfolgt wird, obwohl Moderatoren, Kommentatoren und Reporter jedes ihrer Worte auf die Goldwaage legen, Hillary schweigt. Sie ist derzeit in der Frühphase ihres Wahlkampfes und reagiert so gar nicht, was da über sie geschrieben, gesprochen und berichtet wird.

Hillary Clinton hat gut lachen. Ihr Wahlkampf läuft ganz nach Plan.

Hillary Clinton hat gut lachen. Ihr Wahlkampf läuft ganz nach Plan.

In der eigenen Partei hat sie mit Bernie Sanders einen Gegenkandidaten, der schon mal vorab erklärte, er werde keine negative Kampagne führen. Also von der Seite braucht Hillary nichts zu fürchten. Und die republikanischen Kandidaten im Feld interessieren sie an dieser Stelle sowieso nicht. Die Republikaner gehen keinem Mikrofon, keiner Kamera und keinem Bleistift aus dem Weg, geben zu allem und nichts ihre Kommentare ab. Und natürlich ist Hillary dabei ein beliebtes Thema. Doch die kümmerts wenig.

Hillary Clinton ist bekannt. Ihr Name braucht keine Erklärung, man weiß, für was sie steht, welche Erfahrungen sie mitbringt, mit welchen Wassern sie gewaschen ist. Clinton ist seit Jahrzehnten im Umgang mit Journalisten geschult. Nach den Skandalen im Weißen Haus versuchte sie ein normales Leben zu führen, als US Senatorin für New York fiel sie kaum auf. Dann kandidierte sie gegen Barack Obama fürs Oval Office und merkte schnell, dass die Medien Obama mehr unterstützten, sie kritischer angingen und am Ende die Medienberichterstattung ein wichtiger Teil im Überraschungserfolg des Jungsenators aus Illinois war. Hillary Clinton verließ sich zu sehr auf ihren Namen, trat abgehoben und auch arrogant auf, was in einigen Interviews so auch immer wieder durchkam.

Nun will sie alles anders machen. Sie ist da, doch abgetaucht. Jeden Tag wird über sie berichtet, doch sprechen, erklären, Standpunkte beziehen, das tut sie nicht. Hillary wartet ab, sie läßt sich nicht vorzeitig aufs Glatteis führen. Einer der größten Skandale in ihrer Zeit als Außenministerin ist ihr ein warnendes Beispiel. Nach dem Terrorangriff im libyschen Bengasi wurde angefragt, ob sie in den Sonntagmorgen Talksendungen als Gast sein könnte. „Madame Secretary“ lehnte ab. An ihrer Stelle trat die damalige UN Botschafterin Susan Rice auf, enge Vertraute von Präsident Obama. Sie erklärte, es handele sich nicht um einen Terrorangriff. Und diese Aussage wurde ihr zum Verhängnis, als sie kurz darauf als Nachfolgerin von Hillary Clinton Außenministerin werden wollte. Der US Senat ließ sie durchfallen.

Jüngstes Beispiel eines medialen Fehltritts passierte ausgerechnet dem Republikaner Jeb Bush auf dem quasi Parteisender FOXNews. In einem  Exklusivinterview wurde er gefragt, ob er mit dem Wissen von heute in den Irakkrieg gezogen wäre. Bush bejahte und ein Donnergrollen folgte. Demokraten und Republikaner gleichermaßen stürzten sich auf ihn und erklärten, dass der Einmarsch in den Irak auf fehlerhaften geheimdienstlichen Informationen beruhte. Von daher könne und dürfe man heute nicht mehr sagen, man würde es wieder machen. Jeb Bush versuchte zurückzurudern, doch der Schaden war gemacht.

Hillary Clinton wird dies mit einem Lächeln beobachtet haben. Sie vertritt die Linie, weniger ist mehr. Wenn ich nichts sage, kann auch nichts falsch gedeutet werden.

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