Die Welt hinter dem Tellerrand

„It’s what I do“ heißt das Buch der amerikanischen Fotojournalistin Lynsey Addario. Sie arbeitet für die New York Times, Time Magazine, National Geographic, wurde u.a. mit dem Pulitzer Prize und dem MacArthur Genius Grant ausgezeichnet. Addario ist in Kriegs-, Konflikt- und Krisengebieten unterwegs. Afghanistan, Irak, Pakistan, Sudan, Kongo, Libyen…wo es zu Gewalt, Krieg, Massenvergewaltigungen, Entführungen, Flüchtlingswellen kommt, da findet man die junge Frau.

In ihrem Buch beschreibt sie ihre Reisen, ihre Jobs, immer auf der Suche nach dem richtigen Bild, das vielleicht am Ende, daheim, eine Diskussion auslösen könnte. Vielleicht. Oder auch nicht. Sie sieht die Opfer, ist ganz nah dran. Afghanische Dörfer, die von amerikanischen Bomben getroffen, US Soldaten, die schwer verwundet und getötet wurden. Irgendwo in einem abgelegenen Tal von Afghanistan.

Sie wurde mehrfach entführt, beschossen, schwer verletzt. Kollegen starben. Tage- und wochenlang keine Dusche, Soldatenessen aus der Tüte, Müsliriegel anstelle eines Mittagessens und immer auf der Jagd, gehetzt durch die Welt. Addario beschreibt sich, eine Fotojournalistin, die auf ihre Weise Teil der Kriege wird. Ihre Bilder bewegen und schockieren, machen nachdenklich. Und dennoch, bringen sie was? Sie ist Teil einer neuen Kriegsreportergeneration, die nach den Terroranschlägen des 11. Septembers in die Welt zog. Einfach los, dahin, wo es knallte.

Was das auch Buch lesenswert macht, sind ihre Eingeständnisse, Angst zu haben, sich selbst zu hinterfragen, ob sie das überhaupt machen kann und darf. Bilder von leidenden, verletzten, gedemütigten Menschen zu schießen. Und dann ist da immer wieder der Weg zurück. Nach Wochen im Korengal Valley im Nichts von Afghanistan taucht sie ein in die lebendige Metropole Istanbul. Ein Leben zwischen den Welten. Sie hat Affären, trifft dann den Mann ihres Lebens, heiratet und wird schwanger. Und sie reist weiter in Krisengebiete. Der Tod, das Elend, Gewalt und Schrecken sind wie eine Droge. Es ist schwer zu beschreiben und doch so verständlich. Die heute 42jährige Lynsey Addario hat mit „It’s what I do“ eine beeindruckende und lesenswerte Biographie geschrieben, erschienen bei „Penguin Press„.

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