Mach mir den Nader

Hillary Clinton will Präsidentin werden. Eigentlich steht schon fest, dass sie die Kandidatin ihrer Partei ist. Der Vorwahlkampf kann also abgehakt werden. Doch da ist einer im Rennen, der ihr da etwas in die Suppe spucken will. Senator Bernie Sanders, der als sozialistischer Demokrat beschrieben wird, ist sicherlich ein Außenseiter, doch einer, den man mehr als beachten sollte. Seit Ende April hat er 15 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingesammelt. Und das nicht von finanzstarken Spendern, sondern von mehr als 250.000 Unterstützern. Bernie Sanders macht einen auf Ralph Nader, den Kandidaten der Grünen im Wahlkampf 2000.

Bernie Sanders will Präsident werden.

Vermonts Senator Bernie Sanders will Präsident werden.

Wurde der 73jährige Demokrat aus Vermont am Anfang noch belächelt, wird man im Clinton Lager langsam nervös. Denn wie auch im Gore Wahlkampf 2000 begeistert Sanders, wie damals Nader, eine breite und vor allem junge Gruppe von Unterstützern, die einen Basiswahlkampf führen können und führen wollen. Allein in Madison, Wisconsin, kamen am Mittwoch 10.000 Menschen zu einer Veranstaltung des Senators. Sanders ist der Außenseiter, der mit seinen Forderungen nach einem akzeptablen Mindestlohn und einer höheren Besteuerung von Wall Street Unternehmen gerade im linken Flügel der Partei punktet.

Hillarys Wahlkampf ist perfekt. Die Kandidatin hat ihre minutiös geplanten Auftritte. Ihre Stellungnahmen zu aktuellen Themen werden von einem Heer an Mitarbeitern ausgearbeitet. Geld spielt keine Rolle für die Wahlkampfmaschine Hillary Clinton. Und dann ist da Bernie Sanders, sein Haar wild, der Anzug zerknittert, er wirkt wie der nette Großvater. Doch genau das kommt an. Kein Styling, keine Selbstverleugnung, keine Warmduscherei. Ihm geht es um die Themen, die Message, das Absetzen vom demokratischen Establishment. Er stellt Forderungen, setzt sich ein für Mindestlohn und Umweltschutz, für einen sozialen Aufbruch in den USA, für höhere Steuern für diejenigen, die seit Jahrzehnten nicht zur Kasse gebeten wurden.

Bernie Sanders ist der der neue Ralph Nader. Ein Idealist, der sich nicht anpassen will und wird. Es ist erfrischend zu sehen, dass es in den USA noch Kandidaten gibt, die mit Sachkenntnis und Inhalten aufwarten. Und das in einem Wahlkampf, der bislang vor allem von dümmlichen Sprüchen und Geld, sehr viel Geld, bestimmt wird. Aber das wichtigste dabei ist, dass die Botschaft von Sanders ankommt. Die vielen Unterstützer zeigen, dass der Wille nach einem Wandel im amerikanischen Politzirkus groß ist. Bernie Sanders könnte mit seinem Basiswahlkampf Hillary Clintons perfekte Wahlparty noch gehörig stören. Und das wäre durchaus wünschenswert.

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