„You’re fired Radio Goethe Man“

Politische Berichterstattung ist oftmals zäh und langweilig. Das hoch drei sind Wahlkämpfe. Man versucht eigentlich ständig über nichts zu schreiben, über Nullaussagen, Versprecher, Reaktionen. Und dann ist da Donald Trump, ein Egozentriker, ein Selbstdarsteller, ein von sich so eingenommener Egomane, der einfach alles besser weiß und auf alles eine Antwort kennt. Ich bin mir sicher, Donald Trump würde sogar mir sagen, ich hätte keine Ahnung von der deutschen Musikszene und sollte es sein lassen: „You’re fired Radio Goethe Man“.

Trump legt sich derzeit mit allen und jedem an. Keiner in seiner Partei und darüberhinaus ist vor seinen verbalen Ausbrüchen sicher. Das verspricht einen ungemeinen Unterhaltungseffekt, den man so noch nie im amerikanischen Wahlkampf erlebt hat. Trump teilt aus: Der Texaner und frühere Gouverneur Rick Perry sollte erst einmal einen IQ Test machen bevor er als Kandidat zugelassen wird, denn er verstehe bestimmte Begriffe gar nicht. Arizonas Senator und die graue Eminenz in der Partei, John McCain, sei verrückt und habe keine Ahnung von Politik. Jeb Bush sei eine Null, die nur einen bekannten Namen habe und auf keinem Fall Präsident werden dürfe. Der Ex-George W. Bush Berater, Karl Rove, sei ein unfähiger „Clown“, den FOXNEws einfach nicht mehr als Kommentator einladen solle.

Trump liebt das twittern. In kurzen knappen Sätzen versprüht er sein Gift auf seine innerparteiligen Konkurrenten, verbreitet seine politische Ziele vom Mauerbau, einer starken US Armee, Wirtschafts- und Außenpolitik und liebt es sich hier selbst zu beweihräuchern. Der Milliardär mit der eigenwilligen Haartolle ist das Schicksal der republikanischen Partei. Die Demokraten müssen derzeit überhaupt keinen Wahlkampf führen, denn Trump macht ihn für sie. Er hat eine unvergleichgliche Medienpräsenz, denn jeder weiß, der Donald hält nicht zurück, das schafft Freude, Stimmung und gute Einschaltquoten. In den Umfragen unter republikanischen Wählern steigt und steigt er, derzeit hat er sich sogar etwas vom breiten Feld mit rund 17 Prozent abgesetzt.

Falls Donald Trump noch länger im Rennen bleiben sollte, und das ist sehr stark anzunehmen, ist der Wahlkampf schon ein Jahr vor dem eigentlichen Termin im November 2016 entschieden. Trump trampelt wie ein Elefant durch den politischen Porzellanladen und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Von einer geeinten Partei, die regierungsfähig ist, sind die Republikaner meilenweit entfernt. Genau das führt uns Trump in diesen Tagen vor Augen. Der Wahlkampf ist Showbusiness. Von inhaltlichen Debatten will man nichts wissen, Stellung bezogen wird auf Twitter. Und keiner kann das besser als Donald Trump. Er ist als selbsternannter Heilsbringer, als Retter Amerikas in dieses Rennen eingestiegen. „I’m the man“ und niemand kann und darf neben ihm bestehen bleiben. Donald Trump wird sicherlich nicht der Kandidat der Republikaner werden, doch er setzt alles daran, dass nach ihm nur verbrannte Erde bleibt. Nicht für den eigentlichen politischen Gegner, sondern für die eigene Partei.

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