Nackter Protest in Berkeley

Als ich 1999 von San Francisco in die East-Bay ziehen wollte, war schnell klar, nach Berkeley wird es nicht gehen. Es ist zwar ein nettes Städtchen mit einer reichen Geschichte und einem der besten Plattenläden, Amoeba, überhaupt. Doch was da so immer mal wieder abgeht, ist mir dann doch zu viel. Ein gutes Beispiel sind die jüngsten Proteste zum Schutz einer riesigen Abholzaktion in den Hügeln von Oakland und Berkeley.

Man muß etwas ausholen. 1991 gab es in dieser Gegend ein riesiges Feuer, fast 2000 Häuser wurden zerstört. Noch heute kann man die Spuren dieses gewaltiges Brandes sehen, wenn man von Oakland kommend auf dem Highway 24 Richtung Osten fährt. Eine Katastrophe sondergleichen, die die Region verändert hat. Seitdem leben die Menschen hier in Angst vor einem weiteren Feuer, denn die Hügel am Rande von Oakland sind dicht besiedelt, die Straßen eng und kurvenreich, das Unterholz stark ausgetrocknet. Ein ideales Katastrophenbild, wenn der Funke mal überspringt.

Die Bundesbehörde FEMA, Federal Emergency Management Agency, hat im März fast sechs Millionen Dollar für Abholzungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt. Gerade Tausende von Eukalyptusbäumen sollen gefällt werden, um einigermaßen Herr der Lage zu werden. Die geplanten Baumrodungen sind umstritten, wie man das auch erwarten konnte. Es gibt Unterschriftlisten und wütende Bürgerproteste und eben auch sinnvolle und eher fragwürdige Aktionen. Jüngst demonstrierten Mitglieder des „Tree Spirit Projects“ auf dem Campus der University of California in Berkeley, die einen Teil des FEMA Geldes erhalten. Die Mitglieder der Gruppe ließen die Hüllen fallen und umarmten die Bäume.

Hinter dem Projekt steckt der Fotograf Jack Gescheidt, der erklärt, man wolle „Bewußtsein schaffen für die kritische Rolle von Bäumen in unserem Leben, global und persönlich.“ Die Aktion in Berkeley ist typisch Berkeley, denn egal, wie man die Bilder auch betrachtet, die durchaus künstlerisch sind, im Rest des Landes zeigt man nur kopfschüttelnd auf die „Wackos on the left coast“. Ob mit nackten Tatsachen die Bäume gerettet werden können, ist zu bezweifeln. Berkeley zumindest hat seinen Ruf als abenteuerliche Proteststadt mal wieder bestätigt.

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2 Kommentare in “Nackter Protest in Berkeley

  1. ich habe letztes jahr kurze zeit in oakland gelebt und berkeley auch immer als eine oase des geistreichtums erlebt. man lernt das sehr zu schätzen..vermisse die bay area.

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