Wir sind in der Endlosschleife

Gestern Abend fand in Oakland eine Veranstaltung zum Thema „21st Century Policing“ statt. Also, es ging darum, wie die Polizei heute und morgen arbeitet und arbeiten soll. „Community Policing“, die Beziehungen zu den Bürgern stand dabei im Mittelpunkt. Nach Ferguson, Baltimore und auch den Ereignissen der letzten Jahre in Oakland, ist das Verhältnis zwischen vielen Nachbarschaften und den Polizeieinheiten gestört. Von Vertrauen ist keine Spur mehr zu finden.

Doch die öffentliche Veranstaltung am gestrigen Abend, zu der Bürgermeisterin Libby Schaaf geladen hatte, war ganz anders, als man sie aus einer deutschen Perspektive erwarten würde. Es wurde vor allem über das Auftreten der Polizei, über Respekt, über die Militarisierung der „Police Forces“ im ganzen Land gesprochen und Fragen beantwortet. Auf der Bühne sassen Ron Davis, der Leiter der Task Force für Präsident Obama in Fragen der Polizeiarbeit. Neben ihm der Präsident des Oakland Police Departments, Sean Whent, und der Bürgerrechtsanwalt John Burris.

Die Fragen aus dem Publikum waren alle etwas einseitig, Polizei kritisch, um es mal vorsichtig auszudrücken. Klar, in den Polizeireihen gibt es „crazy Cops“, die ihre Macht in Uniform ausnützen. Auch hier in Oakland. Doch die andere Seite der Medaille wurde bei allem gar nicht beleuchtet. Die offene Ablehung und der Hass gegen die Beamten, die täglich schwierige Situation einer unterbesetzten Polizeidirektion. Ganz zu schweigen von bewaffneten Gangs und Einzeltätern, die ihre Knarren ohne mit der Wimper zu zucken auch geben Polizisten wenden. Kein „policeman“ in den USA weiß bei einem Notruf und einem Einsatz, was auf ihn wartet. Die Knarren sitzen locker, hier und da. Wo da der Anfang der Gewaltspirale liegt, gleicht der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei?

Eine Diskussion wie die gestrige in Oakland würde es in Deutschland nie geben. Denn kein Wort wurde dazu gesagt, dass Amerika ein schwerbewaffnetes Land ist. Die Gewaltprobleme in den Städten, die hohen Mordraten, die täglichen Schießereien in den USA, sie hängen eng mit den rund 350 Millionen Schußwaffen im Umlauf zusammen. Ja, die „homicide rate“  ist in den letzten Jahren gefallen, auch hier in Oakland. Anfang September lag die Mordrate in meiner neuen Heimatstadt bei nur noch 56, ein Erfolg (!). In einer Stadt mit noch nicht einmal 400.000 Einwohnern. Zum Vergleich die Zahl in Deutschland, 2014 wurden im gesamten Bundesgebiet 298 Menschen umgebracht.

Die Diskussion in den USA über Gewalt, ja, auch Polizeigewalt, läuft fehl. Wer die eigentlichen Gründe nicht anspricht, nicht ansprechen kann, weil in der Verfassung ein angebliches Grundrecht auf Waffenbesitz existiert und damit quasi der Persilschein zum Rumballern ausgestellt wird, der wird das Problem nicht lösen können. Amerika ist eine Gesellschaft, die gelernt hat, mit der Gewalt zu leben. Leider.

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