Im Auge des Tigers von Gott gesandt

Ich glaube mal nicht, dass Survivor ihren Hitsong für diesen Moment geschrieben haben. Als die Standesbeamtin für Rowan County, Kim Davis, auf die Bühne tritt, röhrt „Eye of the tiger“ durch die Lautsprecherboxen, so, als ob sie einen Schwergewichtskampf gewonnen hätte. Davis war nach fünf Tagen Gefängnis entlassen worden. Zuvor hatte sie sich trotz Richterspruch geweigert, Trauscheine auszustellen. Der Grund, Kim Davis erklärte, Gay Marriage verstosse gegen ihre religiöse Überzeugung, von daher unterschreibe sie diese Trauscheine nicht. Egal, ob das oberste Verfassungsgericht die Eheschließung zwischen Mann und Mann, zwischen Frau und Frau als „law of the land“ erklärte. Egal, ob Kim Davis bei ihrer Amtseinführung schwor, die Gesetze in Kentucky und den USA zu befolgen. Egal, ob ein zuständiger Richter ihr mit Beugungshaft drohte. Kim Davis blieb dabei und meinte, sie befolge nur Gottes Wort.

Kim "Rocky" Davis vor ihrer Verhaftung. Foto: AFP.

Kim „Rocky“ Davis vor ihrer Verhaftung. Foto: AFP.

Was dann in Grayson, Kentucky, passierte war ein sonderbarer Zirkus. Kim Davis wurde für die Christlich-Konservativen im Land zur Heldin, die für ihren Glauben einstand. Die Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee und Ted Cruz eilten in die Kleinstadt, um Unterstützung zu zeigen und Aufmerksamkeit im Wahlkampf zu erzielen. Huckabee polterte von der „Rechtstyrannei“ und meinte ernsthaft; „Gott hat sich gezeigt. Er hat sich gezeigt in der Form einer gewählten Demokratin mit dem Namen Kim Davis“. Die Menge applaudierte.

Nun also ist die dreifach geschiedene Kim Davis das Darling der heterosexuellen Eheverfechter in den USA. Richter David Bunning entliess sie mit der Auflage, dass sie sich fortan nicht mehr um die Trauscheine in ihrem Büro kümmern darf. Davis ließ am Dienstag offen, ob sie sich daran halten wird.

Aber denken wir mal weiter. Nehmen wir mal an, ich wäre in einer Stadtverwaltung für die Ausstellung von Jagd- und Waffenscheinen verantwortlich. Ich würde als überzeugter Vegetarier meine Unterschrift verweigern, denn „you shall not kill“ heißt es ganz klar in der Bibel. Mein Glauben verbiete mir das Abknallen von Tieren, so meine Begründung. Man stelle sich mal den „Shitstorm“ vor, allen voran von Seiten der Freiheitsverfechter der NRA, der danach mit Sicherheit kommen würde.

Ich spreche Kim Davis ihren Glauben nicht ab, allerdings lebt sie in einem Land, in dem die geschriebenen Gesetze vor Gottes Wort stehen, egal, wie sie dies auch auslegen mag. Sie muß ihre Unterschrift unter einen Trauschein gleichgeschlechtlicher Partner nicht geben, das ist ihr überlassen. Diese Freiheit hat sie. Doch wenn sie sich so entscheidet, muß sie ihren Schreibtisch räumen. Als eine demokratisch gewählte Kommunalangestellte, darf sie nicht mehr und nicht weniger machen, als die Gesetze zu befolgen.

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