Ich hab‘ doch keine Ahnung!

Ich glaube, ich habe gestern die falsche Fernsehdebatte der Republikaner gesehen. Denn was ich heute lese, trifft so gar nicht das, was ich da beobachtet habe. Es heißt, die frühere CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, habe den Abend für sich entschieden. Klar, sie hat gut auf Donald Trump reagiert, das stimmt. Aber die Kommentatoren zeigten sich anschließend davon beeindruckt, dass Carly eine „gute Rednerin“ sei und ihre Themen „verständlich“ vermitteln könne. Hallo! Geht’s noch? Also sexistischere Kommenatere kann es ja wohl nicht geben. Das klingt ja so, als ob man verwundert war, dass nicht nur eine Frau mit auf der Bühne stand, sondern auch noch, dass sie in zusammenhängenden Sätzen sprechen konnte.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen - Carly Fiorina. Foto: AFP.

Ihre Nase wuchs dann doch nicht auf der Bühen – Carly Fiorina. Foto: AFP.

Carly Fiorina kam äußerst unterkühlt rüber. Alle anderen auf der Bühne lachten zumindest einmal, machten teils Witze oder reagierten locker auf die Fragen der Moderatoren. Vielleicht sehe ich Carly Fiorina zu verbissen, kann durchaus sein, aber überzeugend war ihr Auftreten für mich nicht. Vor allem auch nicht, wenn man weiß, dass sie auf der Bühne gelogen hat. Sie forderte, die staatliche Finanzierung der Gesundheitskliniken von „Planned Parenthood“, in denen auch Abtreibungen durchgeführt werden, zu beenden. Dabei bezog sie sich auf umstrittene Videos. Fiorina sagte wörtlich: „Jeder, der diese Videos gesehen hat – ich fordere Hillary Clinton, Barack Obama auf, sich diese Bänder anzusehen – zuschauen, wie ein völlig entwickelter Fötus auf dem Tisch liegt, das Herz schlägt, seine Beine strampeln und jemand sagt; „Wir müssen ihn am Leben halten, um sein Gehirn zu bekommen“. Es geht hier um den Charakter unserer Nation. Und wenn wir nicht aufstehen und Präsident Obama zwingen, dieses Gesetz zu blockieren, Schande über uns alle.“

Einziges Problem, dieses Video gibt es gar nicht. Was da Carly „Pinochio“ Fiorina gesehen haben will war nicht aus dieser Welt. In den bislang bekannten Videos ist solche eine Szene nicht zu sehen. Auch nicht etwas annähernd brutales. Carly Fiorina wurde mit ernster Miene in der Fernsehdebatte zur Märchentante, die ihre Zuhörer schön gruseln wollte. Und das erreichte sie. Ein Wunder nur, dass ihr keine lange Nase wuchs. Natürlich weiß ich, dass im Wahlkampf gelogen wird bis sich die Balken biegen, aber das ist dann schon eine krasse Nummer.

Am Tag danach feierte sich CNN selbst. 25 Millionen Zuschauer schalteten sich zu, so viele, wie noch nie zuvor. Klar, CNN sah das als Erfolg des eigenen Konzeptes. Doch vielmehr lag es daran, dass Donald Trump wieder einmal auf der Bühne stand. Er ist der Entertainer im Wahlkampfzirkus, der die Massen anzieht, schockiert und unterhält. Auch am Mittwoch lieferte er, gute Breitseiten gegen die anderen Kandidaten, er klopfte sich wie immer mehrmals auf die eigenen Schultern und bestach durch aberwitzige politische Ideen. Genau das will man sehen und hören. Das kommt an in diesen Tagen. Also, auf zur nächsten Runde, die am 28. Oktober stattfinden wird.

 

 

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