Die Antwort kam von oben

John Boehner schmeisst die Brocken hin. Nur einen Tag, nachdem der „Speaker of the House“, der dritthöchste gewählte Vertreter in den USA, eine sehr persönliche Begegnung mit dem Papst hatte, trat er vor die Presse. „Heute morgen bin ich aufgewacht, habe gebetet…und mir gesagt: „Heute ist der Tag, an dem ich es machen werde“. Gemeint war sein Rücktritt von der Position des Sprechers.

John Boehner tritt überraschend von seinen Ämtern zurück. Foto: AFP.

John Boehner tritt überraschend von seinen Ämtern zurück. Foto: AFP.

John Boehner war umstritten im Abgeordnetenhaus. Und das gerade in den eigenen Reihen. Der erzkonservative Tea-Party Flügel warf ihm vor, zu lasch zu sein, zu emotional, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen und nicht hart genug gegenüber Barack Obama aufzutreten. Boehner war der Gegner des Präsidenten, doch auch sein Vertrauter. Gemeinsam gingen die beiden Männer oftmals Kompromisse ein, zeigten, dass man durchaus in Washington auch gemeinsam regieren kann. Das kam in den eigenen Reihen alles andere als gut an.

Gestern noch stand der Katholik John Boehner mit dem Papst im Kongress, ein kurzes Gespräch danach, Dankesworte von Franzikus an Boehner für dessen Einsatz für Kinder und Bildung. Der Papst legte den Arm um Boehner und bat den Sprecher des Abgeordnetenhauses, für ihn zu beten. „Well, who am I to pray for the pope? But I did“, umschrieb der Katholik John Boehner tief berührt diese kurze Begegnung. Und anscheinend wurde ihm im stillen Gebet klar, dass seine Zeit als wichtigster Republikaner in Washington gekommen war. Eine ehrliche Entscheidung, es war seine Entscheidung, Art und Zeitpunkt. Doch sie macht auch deutlich, in welchem Zustand die Reagan-Partei ist. Nur noch ein Schatten ihrer selbst. Tief gespalten, zerstritten, ohne gemeinsame Linie. So gehen die Republikaner in das wichtige Wahljahr 2016. Ohne John Boehner, der für sich einen Ausweg aus dem ganzen Washingtoner Chaos gefunden hat.

 

 

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