Der alte Mann und die Partei

Wenn im Fernsehen über Bernie Sanders berichtet wird, dann darf kein Witz über seine wilde, ungezähmte Frisur fehlen. Bernie Sanders kommt wie der „Mad Professor“ in unzähligen Kinofilmen daher. Es fehlt nur der weiße Kittel, die aufgerissenen Augen und ein rauchendes Reagenzglas in der Hand.

Senator Bernie Sanders zeigt Hillary Clinton den Weg. Foto: Reuters.

Senator Bernie Sanders zeigt Hillary Clinton den Weg. Foto: Reuters.

Der Senator aus Vemont war von 1981 bis 1990 Bürgermeister in Burlington, danach 16 Jahre lang Kongressabgeordneter, bevor er 2006 als „Independent“ Kandidat in den US Senat gewählt wurde.  Sanders sieht sich selbst als „demokratischen Sozialisten“, eine politische Standortbeschreibung, die eigentlich in den USA einem politischen Selbstmord gleichkommt. Doch 2012 wurde er mit 71 Prozent der Wählerstimmen in seinem Amt wiedergewählt. Lange Zeit wurde Sanders einfach als Unikum aus New England belächelt. Auch als der 74jährige ankündigte, US Präsident werden zu wollen, nahm ihn kaum einer ernst. Weder die Republikaner noch die Demokraten. Die konzentrierten sich auf ihre eigenen Kandidaten. Die Über-Demokratin Hillary Clinton sah in Sanders nur einen Sparringspartner, der zumindest den Anschein eines Vorwahlkampfes bei den Demokraten vermitteln konnte.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Hillary Clinton stapft mal wieder von einer Panne in die nächste, ein Skandal folgt dem anderen, in den Umfragen ist sie im freien Fall. Und nicht nur das, auch beim Spendengeldersammeln tut sich was…zugunsten von Sanders. Der hat im dritten Quartal sage und schreibe 26 Millionen Dollar eingenommen. Zwar übertrumpfte ihn Hillary Clinton noch mit ihren 28 Millionen Dollar, doch der zweite Blick auf die Zahlen zeigt, dass Clinton langsam nervös werden sollte. Die ehemalige First Lady hatte das Geld in 58 Spendenveranstaltungen, „Fundraisers“, zusammen gekratzt. Bernie Sanders brauchte gerade mal sieben solcher „Events“. Auch kann der Senator auf 1,3 Millionen Einzelspenden von 650.000 Personen verweisen, was eine breite Basis für den Wahlkampf darstellt. Hillary Clinton hingegen ist von Großspendern abhängig, von einer tiefen Verwurzelung ihrer Kampagne kann also keine Rede sein.

Bernie Sanders schafft derzeit den direkten Draht zu den Wählern, das zeigen die Zahlen. Auch gibt er kaum Geld für teure „Fundraising Events“ aus, vielmehr stellen seine Unterstützer Schecks in der Höhe von 20 Dollar und etwas mehr aus, oder spenden über die Webseite des Kandidaten. Sie glauben an ihren Mann aus Vermont, der Amerika einen Linksruck, einen eher sozialdemokratischen Kurs, verpassen will. Damit fällt er auf, damit zieht er mehr und mehr gefrustete Demokraten an, die sich von Hillary & Co verraten fühlen. Bernie Sanders und sein Graswurzelwahlkampf wird Hillary Clinton noch einiges abverlangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *