Im Käfig predigen

Gestern besuchte ich mal wieder San Quentin. Diesmal für ein Interview mit dem katholischen Seelsorger, Father George Williams. Anfangs sass ich noch vor dem Tor und wartete, die Sonne schien, ein schöner und warmer Tag. Es war Schichtwechsel, Autos fuhren rein und raus. Die rauskamen mußten ihren Kofferraum öffnen, um sicherzugehen, dass niemand unentdeckt das Gefängnisgelände verlässt. Ein älteres Paar kam und wollte das San Quentin Museum besuchen. Ein paar Freiwillige des „Prison University Projects“ trugen sich in Listen ein und gingen dann zu ihren Studenten hinter Gittern.

Schließlich wurde der Pressesprecher von San Quentin telefonisch erreicht und auch ich durfte durch das Tor laufen. Alles hat hier seine Ordnung. Mit Sam Robinson ging es dann in den inneren Bereich des Gefängnisses. Eintragen in ein großes Besucherbuch, einen Leuchtstempel auf den rechten Unterarm, Stahltüren gingen auf, Stahltüren knallten hinter mir laut ins Schloß. Und dann stand ich wieder im Innenhof, links von mir der „SHU“, Security Housing Unit, das Gefängnis im Gefängnis mit den ganz harten Jungs und Fällen. Rechts die Gebetsräume. Father George wartete schon.

Das Gespräch drehte sich um seine Arbeit, seinen „Dreamjob“, wie er es nannte. Gott habe ihn hierher geführt. Für ihn sei San Quentin ein Zuhause geworden. Er berichtete von seinen vielen Gesprächen mit Gefangenen und Mitarbeitern und beschrieb den wohl seltsamsten Gottesdienst, den man sich vorstellen kann; auf Death Row in San Quentin. Die gläubigen Todeskandidaten werden in einer umgebauten Sammeldusche in einen Käfig gesperrt, darin ein paar Bänke. Father George ist nicht bei ihnen, sondern wird in einen Extrakäfig gesperrt, dort ein kleines Buchregal, das als Altar dient. Er habe sich an diese Art Gottesdienst erst gewöhnen müssen, gibt er zu. Aber aus seinen Erzählungen wird deutlich, dass die Gefangenen dankbar sind, dass er da ist. Und wie ich von Todestraktinsassen weiß, ist Father George ein Mann mit offenen Ohren, der gerne im East-Block von San Quentin gesehen wird. Er hat immer Zeit für einen und hört zu, so heißt es. Glaube ist wichtig, meint der Jesuit. Er schenke jedem in San Quentin Hoffnung, egal was er getan, warum er hier ist und welcher Religion er auch angehört.

 

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