Reise in ein Land, das es nicht gibt

In wenigen Tagen geht mein Flieger von Frankfurt über Addis Abeba nach Hargeysa, eine Stadt im Nordwesten von Somalia. Eigentlich Somaliland, denn die Republik Somalialand erklärte sich 1991 für unabhängig, als die Zentralregierung in Mogadischu gestürzt wurde und das Land in einem blutigen Bürgerkrieg versank. Doch die Republik wird international nicht anerkannt, und das, obwohl die Sicherheitslage weitaus besser ist, die regionale Wirtschaft boomt, die Versorgung der Bevölkerung garantiert wird, der demokratische Prozess zu funktionieren scheint. Somaliland hat es geschafft aus dem Chaos Somalia herauszukommen. In jedem Artikel und jedem Buch, in jeder Dokumentation, die ich zur Vorbereitung gelesen, die ich angeschaut und angehört habe, wird immer wieder die Frage aufgeworfen, warum man Somaliland nicht international anerkennt? Also, wandte ich mich an das deutsche Generalkonsulat und bekam die offizielle Stellung der Bundesrepublik mitgeteilt, sie lautet: „Die Bundesrepublik hat Somalia innerhalb seiner bestehenden Grenzen und damit inkl. Somaliland anerkannt und beabsichtigt nicht, irgendetwas an ihrer bisherigen Position zu ändern. Ein in Frage Stellen der Grenzen Somalias oder irgend eines anderen Staates in der Region – aus welchen Gründen auch immer –, wäre der Stabilität des Horns von Afrikas abträglich und hätte Konsequenzen weit über die Frage dieser einen Grenze hinaus.“

Eindrücke aus Hargeysa, Somaliland.

Eindrücke aus Hargeysa, Somaliland.

Unser erstes Ziel wird Hargeysa sein, die Hauptstadt von Somaliland, eine boomende Großstadt. Offiziell wird die Einwohnerzahl mit 500.000 – 800.000 angegeben, es heißt jedoch, die Millionengrenze sei längst überschritten. Anfang der 80er Jahre lebten hier nur etwa 70.000 Menschen. Im beginnenden Bürgerkrieg 1988 bombardierten Einheiten des somalischen Militärs die Stadt und machten sie fast dem Erdboden gleich. Nach der Unabhängigkeit 1991 wurde Hargeysa wieder aufgebaut und ist heute moderner als die eigentliche somalische Hauptstadt Mogadischu. Viele Somalier im Ausland unterstützten den Wiederaufbau und fördern den Fortschritt in Somaliland. Ich bin gespannt auf eine lebendige Metropole in einer Region Afrikas, die ich bislang noch nicht kennengelernt habe.

Die Reise ist nicht ohne, das weiß ich. Eine Sicherheitsgarantie gibt es nicht, auch wenn ich wieder, wie im letzten Jahr im Tschad, mit der Hilfsorganisation CARE unterwegs sein werde. Die Mitarbeiter von CARE sind nicht leichtsinnig, alles ist gut geplant und vorbereitet. Jede Aktivität, jede Bewegung vor Ort hängt davon ab, wie die Sicherheitslage an dem bestimmten Tag sein wird. Das Programm ist umfangreich, wir planen auch von Somaliland ins benachbarte Puntland zu fahren, dem Nordosten Somalias. Vor ein paar Tagen rief mich noch der hiesige deutsche Generalkonsul persönlich an und fragte mich, ob ich denn die Reisewarnung auf der Seite des Auswärtigen Amtes gelesen habe. Habe ich, erklärte ich ihm und erzählte, dass ich nicht alleine und unvorbereitet auf diese große Reise gehe. „Ich rufe Sie an, wenn ich zurück bin, dann werde ich berichten“, verabschiedete ich mich noch.

Auch auf der Seite des amerikanischen „State Departments“ werden deutliche Worte gefunden: „The U.S. Department of State continues to warn U.S. citizens to avoid all travel to Somalia.“ Man rät Amerikanern, die dennoch dorthin reisen, egal in welchen Landesteil, eine „kidnap and recovery“ Versicherung abzuschließen, ich wußte gar nicht, dass es so etwas gibt. Trotz der Warnungen, ich habe mich auf der Seite als Reisender nach Somalia registriert, meine Reisedaten und persönlichen Informationen angegeben.

Besorgt ist alles, was ich brauche. Von Tabletten bis Passbildern für ein Visum in einem Land, das es nicht gibt. Als Vegetarier muß ich ein paar Extras mitnehmen. Kamel- und Ziegeneintopf sind nicht so meins, mit Nüssen und Trockenobst werde ich schon durchhalten. Bald geht es los, ich werde, wenn es technisch möglich ist, unterwegs von dieser Reise hier im NZ-Blog berichten. Also, „maalin wanaagsan“…guten Tag aus Somalia.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *