Gefahr ist relativ

Gestern erst schrieb ich über meine bevorstehende Reise nach Somalia. Ich bekam einige nette Mails und Kommentare von Freunden und Bekannten, die meinten, ich solle bloß aufpassen und heile zurück kommen. Auf der Webseite des amerikanischen Außenministeriums wird in deutlichen Worten vor einer Reise in die Region am Horn von Afrika gewarnt.

Oakland ist nicht Mogadischu. Foto: Reuters.

Oakland ist nicht Mogadischu. Foto: Reuters.

Und nun sitze ich hier und lese die Nachrichten. Gestern Abend gab es in Oakland den 80. Mord in diesem Jahr. Ein Mann stand in West-Oakland an einem Auto, in dem bereits zwei Frauen und ein Kleinkind saßen. Ein noch Unbekannter eröffnete das Feuer, der 38jährige starb, die zwei Frauen wurden schwer verletzt, das Kind wurde nicht getroffen.

Es gibt zwar keine Reisewarnung für inneramerikanische Städte, aber statistisch betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit wohl höher, irgendwo im amerikanischen Downtown, oder hier in Oakland an- oder erschossen zu werden, als in Somalia, Kongo, Afghanistan oder anderen Gegenden, in denen ich mich in den letzten Jahren so rumgetrieben habe. Das soll nicht heißen Oakland ist Klein-Mogadischu, auch nicht, dass hier die Anarchie, das Gesetz der Straße herrscht. Vielmehr frage ich mich, warum man im State Department Amerikaner vor Reisen in Krisengebiete warnt, wenn es im eigenen Land Opferzahlen gibt, die jedes Krisengebiet in den Schatten stellen. Die Untätigkeit der amerikanischen Politik ist fragwürdig.

Jedes Jahr werden in den USA weit über 10.000 Menschen ermordet. Und nichts geschieht. Städte, wie Oakland, werden allein gelassen, selbst eine Lösung für dieses akute und alltägliche Problem zu finden. Wichtige Resourcen auf der lokalen Ebene und große Teile des städtischen Haushalts werden für die Gewaltbekämpfung gebraucht. Die Polizei wird in den USA von den Kommunen selbst finanziert.

Von daher ist die Gefahr wohl relativ, wenn man als Amerikaner in Krisengebiete fährt. Anders ausgedrückt. In zehn Jahren, in denen die Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt war, starben 54 deutsche Soldaten. Im gleichen Zeitraum wurden in Oakland nahezu 1000 Menschen umgebracht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *