„Liken“ in Somaliland

Am Nachmittag gab es das Sicherheitsbriefing vor Ort. Auch wenn schon lange nichts mehr in Somaliland passiert ist, man sei auch weiterhin wachsam. Demonstrationen vor den bevorstehenden Wahlen werden vermieden und umgangen, Überlandfahrten genau geplant, „Curfew“, Ausgangsverbot für alle CARE Mitarbeiter liegt bei 22:30 Uhr. Somaliland sei aber sicher. Der Sicherheitsexperte der NGO erklärte uns, dass man hier von Somaliland und nicht von Somalia sprechen solle, darauf lege man Wert. Und Männer geben Frauen nicht die Hand. Punkt. Damit kann man leben.

Ein Gruppe von Studentinnen schaute auf die Kamera der CARE Mitarbeiterin. "Die kommen auf meine facebook Seite", hieß es.

Ein Gruppe von Studentinnen schaute auf die Kamera der CARE Mitarbeiterin. „Die kommen auf meine facebook Seite“, hieß es.

Danach ging es zur Universität von Hargeisa. Ein großes Areal, Männer und Frauen studieren gemeinsam, die Frauen im Niqab und auch zum Teil voll verschleiert. Aber alle sind offen, begrüßen die Besucher von weit her, „Hi, how are you?“. Als die Medienreferentin von CARE mit ihrer Kamera etwas auf dem Gelände herumfotografiert, spricht eine Gruppe von jungen Frauen sie an, alle traditionell gekleidet und mit Kopftuch. Ob Johanna denn von ihnen auch ein Bild machen könne, das würden sie gerne als neues auf ihre facebook Seite stellen. Die Welt macht nicht Halt vor dieser Region.

Abends treffen wir in einem sehr netten und guten Restaurant somalische Rückkehrer, zumeist aus England. Dort lebten und arbeiteten sie, wuchsen auf und gingen zur Schule und zur Universität. Doch irgendwann kam der Wunsch zurück zu gehen, mitanzufassen, etwas mit aufzubauen in der alten Heimat. Und dann kamen sie und stehen heute zwischen den Stühlen. Sie sind hier und dort gleichermaßen daheim, genau dieses Gefühl kenne ich auch, obwohl meine Erfahrungen zwischen Oakland und Nürnberg nicht vergleichbar sind mit denen zwischen London und Hargeisa. Eine interessante Runde sitzt am Tisch und berichtet von ihren Erlebnissen, Erfahrungen, ihren Motivationen und Wünschen. Bereitwillig geben sie Auskunft, es wird teils hitzig diskutiert, doch nie böswillig. Ganz im Gegenteil, wir alle lachen immer wieder laut auf. Auch das ist das normale Leben in Somaliland, entspannt, fröhlich, in lockerer Atmosphäre, so als ob es in Nürnberg oder Oakland wäre.

Morgen früh haben wir einen Termin mit einem Minister von Somaliland, es geht um Wasserprojekte, die von CARE gefördert werden. Danach geht es raus, Richtung Norden, ans Meer und dort weiter zu verschiedenen Außenstellen der Hilfsorganisation, die Ende November 70 Jahre alt wird. Auf der Fahrt sollen wir durch eine wunderschöne Landschaft kommen, mal sehen, was ich mit meinem Taschenapparat so einfangen kann.

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