Es geht um viel mehr als nur Wasser

Heute ging es zunächst ums Wasser. CARE unterstützt in Somaliland zahlreiche Wasserprojekte. Aus gutem Grund, denn vor kurzem erst meinte der Präsident der Republik Somaliland, Ahmed Mohammed Mahamoud Silanyo, das Problem Nummer Eins in seinem Land sei Wasser, das Problem Nummer Zwei sei Wasser, das Problem Nummer Drei sei Wasser.

So einfach kann eine erfolgreiche, internationale Partnerschaft aussehen.

So einfach kann eine erfolgreiche, internationale Partnerschaft zwischen Deutschland und Somaliland aussehen.

Gleich mehrere Hilfsorganisationen sind im Bereich der Wasserversorung aktiv. Dabei geht es jedoch auch um einen gesamtgesellschaftlichen Blick, der mit Wasser zusammenhängt. CARE fördert in zahlreichen Dörfern in Somaliland ein interessantes Projekt; Brunnen, deren Pumpen mit Solarkraft  betrieben werden. Doch der Strom, der aus den Solarzellen gewonnen wird, wird auch an lokalen Geschäfte verkauft. Und das ist der smarte Schachzug dabei. Man muß wissen, dass die nichtanerkannte Republik Somaliland eines der fortschrittlichsten Zahlungssysteme in Afrika entwickelt hat. So gut wie alles und so gut wie überall wird mit dem Handy bezahlt. Das liegt daran, dass man hier kein Bankensystem mehr hat, keine internationale Bank ist mehr vor Ort. Vor wenigen Jahren zog sich auch noch Western Union aus der abtrünnigen Republik zurück, somit hatten Somalier im Ausland keine Möglichkeit mehr, Geld an ihre Verwandten daheim zu schicken. Also wurde ein System entwickelt, das fast jeder hier nutzt. Von der Rechnung nach dem Teetrinken bis zum Fahrkartenkauf im Bus. Per Klick wird bezahlt und überwiesen.

Was hat nun diese Art des Geldtransfers mit der von CARE geförderten Wasserpumpe zu tun? Ganz einfach, die Handys müssen aufgeladen werden, die Stromversorgung ist vor allem auf dem Lande nach wie vor mangelhaft, meist gar nicht vorhanden, in den wenigsten Privathäusern gibt es einen Stromanschluß. Deshalb werden an öffentlichen Kiosken die Mobiltelefone aufgeladen und die beziehen in den verschiedenen Dörfern ihren Strom von den Solarzellen für die Wasserpumpe. Mit dem Erlös aus dem Elektrizitätshandel wird ein eigens ausgebildeter Mechaniker finanziert, der bei Störungen schnell reagieren und Wasserpumpe sowie Stromversorgung reparieren kann. Ein brillanter Kreislauf auf kleiner Ebene, der eigentlich nur zustande kam, weil man immer wieder vor das Problem stieß, wie man die Pumpen langfristig instand halten könnte.

In der Ausbildung geht es um mehr als nur die Reparatur einer Wasserpumpe.

In der Ausbildung geht es um mehr als nur die Reparatur einer Wasserpumpe. Für was die schicken Bauhelme allerdings waren, konnte ich auch nicht herausfinden.

Am heutigen Morgen besuchten wir zuerst Vertreter des Wasserministeriums, danach die Ausbildungswerkstätte, in denen die lokalen Fachkräfte geschult werden. Sie kommen aus den Regionen und gehen mit ihren Kenntnissen auch dahin wieder zurück. Derzeit gibt es 19 dieser Wasser-Strom-Kreisläufe, weitere sollen und werden folgen.

Am Nachmittag ging es dann erst Richtung Norden bis ans Meer, von dort dann östlich bis nach Burco. Eine lange Autofahrt, auf der wir jedoch die Schönheit dieses Landes sehen konnten. Heute Abend stand noch ein Treffen mit Jugendlichen und jungen Leuten an. Ich sprach mit drei jungen Frauen, eine von ihnen flüchtete als 19jährige über Djibouti in den Jemen und weiter nach Saudi Arabien. Nach fast einem Jahr kehrte sie nach Somaliland zurück. Eine 17jährige versuchte zweimal Richtung Westen zu kommen, um dann über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Ihre Reise endete jedesmal in Äthiopien, sie wurde abgeschoben nach Somaliland. Nun will sie hier bleiben und hofft, Inschallah, auf eine Zunkunt. Die dritte Frau kam als 15jährige hierher, sie ist stolze Somaliländerin, erfolgreich, will am Aufbau dieses Landes beitragen. Drei ganz verschiedene Geschichten von jungen Menschen in diesem Land, das es eigentlich doch gar nicht gibt.

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