„I’ll visit you in Germany“

Burco ist die zweitgrößte Stadt in Somaliland, hier leben rund 400.000 Menschen. Das Gebäude von CARE ist in einer Wohngegend, am Tor kein Schild der Hilfsorganisation. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Von hier ging es in die sprichwörtliche Pampa. Erst auf einer langen Schotterpiste immer geradeaus, dann kam die Sandstraße, die sich um Büsche schlängelte und ins Nichts zu führen schien. Der Fahrer heizte dahin, als gäbe es kein Morgen.

Die Landschaft war beeindruckend, sandig und dennoch wunderschön. Ein weiter Blick, immer mal wieder Ziegen rechts und links der Straße, Nomaden, die sie hüteten und gelegentlich trabte ein Kamel über die Straße. Blau markierte Steine im Sand zeigten, wo Landminen geräumt worden waren. Die Spuren des Krieges sind in Somaliland noch immer zu sehen.

Unser erstes Ziel war das Dorf Harasheik. CARE hat dort eines dieser Brunnenprojekte aufgebaut, von dem ich gestern berichtet hatte. In Harasheik wartete man auf uns, die Dorfältesten berichteten von ihren Erfahrungen und Wünschen mit dem Brunnen und der Solarkraft. Danach noch ein paar Interviews, Fotos, Klangaufnahmen, ein kleiner Spaziergang alleine durchs Dorf. Dann ging es mit den Geländewagen nach Xaaxi, einem weiteren Projektdorf.

Ein Treffen im Schatten unterm großen Baum. Fotos: A. Peltner.

Ein Treffen im Schatten unterm großen Baum. Fotos: A. Peltner.

Auch in Xaaxi gab es ein herzliches Willkommen, diesmal suchte ich jedoch mehr das Gespräch mit Jugendlichen. Wir saßen unter einem Baum und sie erzählten davon, dass sie weg wollen. Von den etwa 15 jungen Männern hoben 12 die Hand. In Somaliland gebe es keine Jobs, keine Zukunft. Und andere, die gegangen sind und es geschafft haben, hätten Fotos von sich auf facebook gepostet. Bilder, die zeigen, dass sie erfolgreich angekommen, erfolgreich einen Job gefunden, erfolgreich ein neues Leben begonnen haben. Auf meinen Einwand, dass sie nicht alles glauben sollten, was sie auf facebook sehen und lesen, dass in Europa keine Jobs auf sie warten, ließen sie nicht gelten. Nun planen die jungen Kerle vor mir über Äthiopien und den Sudan nach Libyen zu gelangen, um von dort über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Bereitwillig wollen sie sich in die Hände von Schleppern begeben, die bekannt dafür sind, irgendwo auf der Strecke mehr Geld zu fordern, die Eltern daheim anzurufen und sie die Schmerzensschreie ihrer Kinder hören zu lassen, bis sie zusichern, mehr Geld zu schicken. Eine lange und gefährliche Reise liegt vor den Jugendlichen. All das ist ihnen egal, meint einer. „I’ll visit you in Germany“, lacht ein anderer. Sie alle sind sich sicher, sie werden es schaffen. Inshallah!

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