El Niño zeigt sein brutales Gesicht

Kalifornien und der gesamte Südwesten der USA bereiten sich auf einen Monster El Niño vor. Stürme, Regenschauer, Überschwemmungen, Erdrutsche. Schon seit Monaten berichte ich immer mal wieder von diesem Wetterphänomen. Kalifornien ist vorbereitet, abwenden können wir es nicht, uns nur auf extreme Regenfälle einstellen. In meiner Wohngegend in Oakland bedeutet das, dass Bäume umknicken, Stromleitungen gekappt werden, die Straßen Bächen und Flüssen gleichen. Im allerschlimmsten Fall wird ein Baum aufs Dach fallen.

Nun bin ich am Horn von Afrika und El Niño ist bereits da. Was den Menschen hier bevorsteht, läßt die Sorgen in Kalifornien verblassen. Vom Süden Afrikas bis hoch nach Somalia wird das Wetterphänomen Millionen von Menschen treffen, hart treffen. Hier wird es wie in Kalifornien Überschwemmungen geben, doch El Niño bringt noch viel mehr mit: Hunger, Krankheiten und Wasserknappheit. Eine unglaubliche Dürrewelle rollt auf die Menschen zu. CARE spricht alleine im Bereich Somalia von rund 3,2 Millionen Menschen, die bereits jetzt humanitäre Hilfe benötigen. Unicef erklärte kürzlich, die Krise im benachbarten Äthiopien sei so schlimm, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und es wird noch schlimmer, durch das, was da kommt.

Somalia von oben. Eine trockene Landschaft.

Somalia von oben. Eine trockene Landschaft.

Es sind erschreckende Zahlen, die mir auf dieser Reise mit CARE vorgelegt werden. Über eine Million Menschen hungern in Somalia. 20 Prozent mehr als noch im Februar 2014. Der Großteil von ihnen Flüchtlinge, darunter vor allem Frauen und Kinder. Weitere 2,1 Millionen Somalier haben nicht genug zu essen. Jedes siebte Kleinkind hat Mangelerscheinungen, 44.000 sogar ganz extrem. Und das alles in einem Staat, der nicht funktionsfähig ist. Die Hilfsorganisation CARE und auch andere NGOs versuchen unter den widrigen Bedingungen zu helfen, wo es geht.

Die Katastrophe nimmt jedoch erst ihren Lauf. Das Wasser fehlt, die Regenzeit, die eigentlich diese Region nun treffen müßte, läßt auf sich warten. Der fehlende Niederschlag wird langfristige Folgen haben für Millionen von Menschen im Osten und Süden Afrikas. Und dann kommt da noch El Niño mit aller Gewalt.

Was mich bei diesem Thema betroffen macht, ist die Wahrnehmung von uns allen. El Niño an der amerikanischen Westküste ist immer ein Thema. Es wird ein, wie die US Medien es ankündigen, „Monster El Niño“ in den Wintermonaten komment. Unzählige Beiträge werden davon berichten; Kalifornien nach der jahrelangen Trockperiode in der Regenkrise. Doch was dieses Wetterphänomen auch noch mit sich bringt, was die erhöhte Wassertemperatur im Pazifik für Teile Afrikas bedeutet, wird kaum wahrgenommen. Hunger, Dürre, Krankheiten, Konflikte, es passt einfach – mal wieder – ins Bild dieses vergessenen Kontinents.

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