Fußball ist die Sprache

Von deutscher Seite sieht man vor allem BVB Trikots in Puntland.

Von deutscher Seite sieht man vor allem BVB Trikots in Puntland.

„Football is the beautiful game“. Dieser Satz bekommt in Somaliland und in Puntland eine ganz neue Bedeutung. Somalier sind begeisterte Fußballanhänger, sie verfolgen die Bundesliga, die Premier League, die Champions League und alles, was man über Satellit empfangen kann. Hauptsache der Ball rollt. In der Freizeit wird gekickt, auf Staubplätzen und in Gassen. Seit etwa drei Jahren werden hier und dort private Fußballplätze und Fitnesscenter eröffnet. Eine Business Idee, die jedoch vor einem ganz anderen Hintergrund entstanden ist. Angefangen hat alles damit, dass man in einem Land voller Terror, Anschläg und Radikalen einen sicheren Raum für Jugendliche und junge Leute schaffen wollte.

Diese Fußballcentren werden gepflegt, die jungen Leute haben neben dem Pöhlen die Möglichkeit mit Gewichten zu trainieren, Kicker und Billiard zu spielen, mit Freunden bei einem Kaffee oder Soft Drink abzuhängen. Ein „Security Guard“ steht mit einer Knarre am Eingang.

Begeisterte Fußballspieler in Garewo, Puntland.

Begeisterte Fußballspieler in Garewo, Puntland.

Für einen Dollar kann man spielen, so wird das Center unterhalten. Doch neben diesem sicheren Freizeitbereich wird auch der Fußball im Land gefördert. Einer meiner Gesprächspartner war ein Exil-Somalier, der aus dem Ausland zurück kam, um in Puntland für das Ministerium für Jugend und Sport zu arbeiten. Er war ein ehemaliger Profi, der vor dem Krieg für einen Verein in Mogadischu spielte. Nun ist er wieder in Puntland, um mit Fußball die jungen Leute zu begeistern und sie so auch von radikalen Kräften im Land fernzuhalten. „Football the beautiful game“. Er erzählt von einem Streit zwischen zwei Clans, der zu eskalieren drohte. Das Ministerium brachte die Jugendlichen beider Seiten auf dem Fußballplatz zusammen und ließ sie spielen. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Die Mannschaften wurden gemischt, um zu zeigen, man ist ein Team. So seltsam es auch klingen mag, man hatte mit diesem Ansatz Erfolg.

Somalia, Puntland, Somaliland wollen auf die internationale Fußballbühne. Puntland ist bereits mit der FIFA in Kontakt, um einen eigenen Verband anzumelden, da die somalische Mannschaft nicht aus Mogadischu herauskommt. Puntland hat viele talentierte Fußballspieler, das konnte ich auch selbst in einem der „Football Centers“ in Garewo miterleben. Gut, ich bin 47, meine Mitspieler und Gegner waren um die 20 Jahre alt, es war drückend heiß, doch das hielt mich nicht von einem kleinen Spiel mit den Jungs ab. Anfangs wurde ich noch etwas neugierig betrachtet, doch dann kamen auch die Pässe. So schlecht habe ich mich dann auch nicht geschlagen.  Einige der Spieler haben großes Talent. Puntland und auch Somaliland sind hungrig nach Fußball, nach Trainingsmöglichkeiten, nach einer systematischen Ausbildung. Vielleicht schafft es ja bald ein Spieler vom Horn von Afrika auf die große internationale Bühne. Es täte dem Land, den Leuten und der Seele Somalias sehr gut.

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