Donald Trump, Goethe und die Geister

Donald Trump ist ein Phänomen. Der Immobilienmogul und Milliardär hat mit seiner NBC-Sendung „The Apprentice“ das „Reality TV“ in den USA aufgemischt, seine Worte „You’re fired“ sind in den amerikanischen Alltagssprachgebrauch eingegangen. Obwohl er der superreichen High Society angehört, gern gesehen ist auf den vielen Parties und Events im Big Apple, wird er doch von vielen als ein Unikum belächelt. Seine Haarpracht ist legendär. Der selbstverliebte Trump sagt, was er will. Trump nimmt keine Rücksicht auf niemanden, das ist seine Lebensleitlinie.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Wenn man sich die Äußerungen Trumps der vergangenen Jahre durchliest, dann wird einem schnell klar, dass der Donald regelmäßig mit rassistischen und sexistischen Kommentaren aufgefallen ist und auch vor Verschwörungstheorien nicht zurückschreckte. Trump lässt nicht erst als Kandidat ums Weiße Haus die Sau raus. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Präsidentschaftsaspirant auch nach Monaten im Rennen und nach Tiefschlägen gegen Mexikanern, Frauen, Flüchtlingen, internationalen Partern und Obama noch immer in Führung liegt. Keiner kann sagen, man habe von nichts gewußt.

Der Narzist Trump spielte und spielt mit offenen Karten. Und seine Partei, für die er kandidiert, schaut taten- und hilflos zu. Niemand distanziert sich klar und deutlich, keiner weist den Milliardär in seine Schranken. Weder führende republikanische Politiker im Kongress und Senat, noch Mitbewerber um die Kandidatur der Partei. Letztere erklären zwar hin und wieder, Trump hätte dies oder das nicht sagen sollen, um dann im gleichen Atemzug noch eins drauf zu setzen. Ben Carson reagierte auf die Äußerung Trumps, Moslems in den USA registrieren zu lassen, mit der Aussage, das setze ein „gefährliches Signal“. Doch Carson selbst meinte zuvor, ein Moslem als amerikanischer Präsident sei „undenkbar“. Auch verglich er Flüchtlinge mit „tollwütigen Hunden“. Und auch Jeb Bush meinte, der Vorschlag Trumps sei „abscheulich“, um kurz darauf zu erklären, die USA sollten nur „christliche Flüchtlinge“ aus Syrien aufnehmen.

Die Grand Old Party läßt Donald Trump weiter wüten. Er bestimmt die Themen im Wahlkampf, gibt Steilpässe für das gesamte GOP-Team, hinter denen die anderen Kandidaten nur her hecheln. Niemand stoppt den Donald, der sich von den Umfragewerten bestätigt fühlt. Ein Wahlkampf des Klamauks und der Provokation. Doch die Zeit läuft den Republikanern davon. Glaubten anfangs noch viele Parteioberen und Kommentatoren, Donald Trump wäre nur ein kurzzeitiges Gastspiel auf der Wahlkampfbühne vergönnt, der sieht sich nun eines besseren belehrt. Trump blieb im Rennen und versaut den Republikanern den sicher geglaubten Wahlsieg gegen Hillary. In ein paar Wochen, am 1. Februar, wird in Iowa gewählt, vier Wochen später haben bereits 16 Bundesstaaten ihre Stimmen für den republikanischen Kandidaten abgegeben. Trump hat mittlerweile gute Chancen der Kandidat der Partei zu werden, die ihn eigentlich gar nicht haben will. Und das alles nur, weil man zu lange seinem Polterkurs zugeschaut hat. Das erinnert schon sehr an die Geister aus Goethes „Zauberlehrling“, die man rief und nicht mehr los wurde.

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