Die Brandstifter von FOXNews

Gestern habe ich mir mal wieder FOXNews angetan. „Hannity“ lief, die Sendung von Moderator Sean Hannity, den ich lange Zeit immer im Auto auf KSFO 560AM hörte, bis mir ein Depp die Antenne abbrach. Seitdem kriege ich nur noch ein paar UKW Sender rein. Aber zurück zum erzkonservativen Propagandasender. Als Journalist in der sehr liberalen San Francisco Bay Area finde ich es wichtig, einen Eindruck vom Rest des Landes zu bekommen, vom „Heartland“ Amerikas. Und FOXNews liefert das nur zu gerne. Oftmals ist es unterhaltsam, wenn man sich die Sendungen ansieht. Verschwörungstheorien wechseln sich da mit unsäglichem Journalismus und Meinungsmache ab.

Sean Hannity in seiner FOXNews Sendung. Foto: AFP.

Sean Hannity in seiner FOXNews Sendung. Foto: AFP.

Sean Hannity, der gerne das Motto des Senders „fair and balanced“ betont, ist alles andere als ein fairer und ausgewogener Journalist. Er ist ein Talk-Show-Moderator, der auf einer Mission zu sein scheint. Man könnte diesen Quasselkopf nun als Entertainer bezeichnen, was durchaus berechtigt ist und wenn es so wäre, dann würde er diese Rolle richtig gut spielen. Doch Hannity will kein Entertainer sein, er will nicht unterhalten, er will über die bösen Absichten des „schlechtesten“ und „unfähigsten“ Präsidenten aller Zeiten aufklären.

Gestern berichtete Sean Hannity über die Weltklimakonferenz in Paris. Als Gesprächspartner hatte er sich den Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zugeschaltet. Warum redet Obama immer die USA schlecht, wollte Hannity wissen? Obama sei nach Paris geflogen, um dort zu erklären, dass das große Amerika schuld sei am kaputten Klima. Kein Wort davon, dass die USA die beste Nation, die größte Wirtschafts- und Militärmacht, der führende Staat auf dem Globus sei. So begann er das Interview und Huckabee nahm die Steilvorlage nur zu gerne an. Er verstehe auch nicht, wie man als Präsident sein eigenes Land schlecht rede, Fehler eingestehe und drastische Folgen für die eigenen Landsleute fordere. Amerika, so Huckabee, solle vielmehr die eigenen Ressourcen nutzen, Erdöl fördern, Rohstoffe abbauen, wieder die führende Rolle in der Welt übernehmen.

Als nächstes Segment stand ein Bericht und eine Diskussion mit Studiogästen über Hillary Clinton an, die der „fair and balancded“ Moderator Sean Hannity ganz offen als „Lügnerin“ bezeichnete. Hannity hat eine jahrelange Abneigung gegen die einstige First Lady. Als sie 2008 in den Präsidentschaftswahlkampf einstieg, startete Hannity seinen „Stop Hillary Express“. Es gab nur negative Meldungen. Und das hat er nun wieder aufgenommen. Für Hannity ist Hillary ein rotes Tuch. Und nicht nur für ihn, man kann sich bei dieser „ausgewogenen“ Berichterstattung vorstellen, was passieren wird, wenn Hillary Clinton wirklich die nächste Präsidentin werden sollte. Amerika würde einen absoluten Stillstand erleben, denn alles, was aus dem Weißen Haus käme, würde blockiert und schlecht geredet werden. Bestes Beispiel ist die Gesundheitsreform, die als „Obamacare“ verschrien ist. Die Republikaner und Konservativen im Land haben es mit dieser Rufmordkampagne geschafft, eine wichtige Reform schon im Ansatz zunichte zu machen.

Was für mich wichtig an diesen Interviews von Sean Hannity und anderen auf FOXNews ist, als Zuschauer merkt man, wie ein Teil Amerikas tickt. Nicht alle Amerikaner glauben der Propaganda, doch es ist ein lautstarker und einflussreicher Teil, der hier auf diesem Frontsender Stimmung macht. Stimmung, die gefährlich werden kann. Forderungen wie „Obama needs to be stopped“ könnten falsch ausgelegt werden. Das zeigt auch das jüngste Attentat in einer „Planned Parenthood“ Klinik in Colorado Springs. Der Täter wiederholte bei seiner Verhaftung einen Satz, den man zuvor öfters auf FOXNews gehört hatte: „No more baby parts“.

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