Die USA sind mehr als Donald Trump

2001 gab es noch kein facebook. Damals bekam ich Mails und las auf diversen Online-Foren mit. Die Stimmung war nach dem Wahlausgang 2000 eindeutig. Das bestärkte sich nur noch, als George W. Bush den Einmarsch in den Irak anordnete. Eine Anti-USA Stimmung machte sich breit. Freunde und Bekannte in Deutschland meinten, sie werden erst einmal nicht mehr in die USA reisen. Bush = USA, so die seltsame Gleichung.

Die gleichen Töne höre ich nun wieder. Diesmal ist es Donald Trump, der für Amerika steht. Trump der wutschnaubende Rassist mit der Fönwelle, der gegen Mexikaner, Frauen, Schwule, Moslems und alle wettert, die ihn kritisieren. Er repräsentiere die USA ist die Aussage von einigen. Doch Trump ist weder die USA, noch unterstützt eine Mehrheit seine wahnwitzigen Ideen.

sept11In Umfragen liegt er im republikanischen Feld vorne, das stimmt. Doch man sollte sich diese Zahlen einmal genauer ansehen. Umfragen werden telefonisch durchgeführt. Ein paar Hundert registrierte republikanische Wähler werden dabei befragt. Keine große Zahl, wenn man bedenkt, dass 30 Prozent von 500 Wählern gerade mal 150 Trumpstimmen sind. Doch die USA und die Welt reagiert: Wie kann man nur Mister Dreiwettertaft wählen?

Auch bleibt außen vor, dass bei jeder Wahl eine Minderheit der Amerikaner überhaupt wählen geht. Was bedeutet, eine absolute Mehrheit steht nicht für das, was George W. Bush anrichtete und auch nicht für das, was ein Donald Trump anrichten könnte. Amerika ist viel mehr als nur das Bla-Bla aus dem Washingtoner Politzirkus. Vielleicht stören mich nach über 19 Jahren in den USA diese facebook Aussagen, die negativen Kommentare nun mehr. Das kann durchaus sein. Vielleicht bin ich in all den Jahren ein stückweit auch Amerikaner geworden. Trump spricht nicht für mich, steht nicht für das Amerika, das ich zu schätzen und zu lieben gelernt habe, von dem ich noch immer fasziniert bin.

Amerika ist Nationalparks, ist die Weite des Westens, die Golden Gate Bridge. Ist Woody Guthrie und Pete Seeger, Johnny Cash und Bob Dylan. Ist „Free Speech -„, „Labor -„, „Women’s -“ „Gay -“ und „Civil Rights Movement“, ist Care und USAid. Ist Whiskey, Tequila, guter Wein und so la-la Bier. Amerika ist eine multikulturelle Gesellschaft, in der es viele Stimmen, Gesichter, Ansichten und, ja, auch Probleme gibt. Ich muß Amerika nicht schön reden, das will ich gar nicht. Ich kenne die Narben und die offenen Wunden dieses Landes und dieser Gesellschaft, der amerikanischen Geschichte und der Gegenwart. Amerika ist nicht schlechter oder besser als andere Länder. Es ist nicht „God’s Country“ und es ist auch nicht der verhasste „Satan“. Die USA sind ein faszinierendes Land, waren es und werden es auch bleiben. Der „American Way of Life“ hat immer wieder Menschen hierher gebracht. Als Immigranten, als Flüchtlinge, als Touristen. Dieses Land ist voller Widersprüche, voller offener Fragen. Gerade das macht Amerika auch aus. Hier der Größenwahn, dort die kleine Geste, die einen lächeln läßt. Ja, ich liebe dieses Land. Als Deutscher, der hier ein neues Zuhause gefunden hat. Irgendwo hänge ich zwischen den Kulturen, den Sprachen. Und ich muß sagen, genau das ist für mich eine Bereicherung geworden. Ein Donald Trump ist da nur der Kasperl in der amerikanischen Version der Augsburger Puppenkiste.

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