Nahezu 1000 Tote durch Polizeikugeln

Ein Routineeinsatz für die Polizei in Chicago. Ein junger Mann dreht durch, bedroht den Vater, eine Nachbarin. Die Polizei wird gerufen. Am Ende liegen der 19jährige und eine 55jährige Mutter von vier Kindern tot auf dem Boden. Tödlich getroffen von Polizeikugeln. Die beiden Opfer sind Afro-Amerikaner. Ein Bild, das sich immer und immer wieder in den USA zu wiederholen scheint.

Polizeiabsperrung nach einem Einsatz. Foto: Reuters.

Polizeiabsperrung nach einem Einsatz. Foto: Reuters.

Die Washington Post hat nun eine umfassende und schockierende Statistik veröffentlicht. Fast 1000 Menschen starben 2015 durch Polizeikugeln in den USA. Davon führten 564 Opfer eine Schußwaffe mit sich, 281 hatten eine andere Waffe bei sich, 90 Personen waren unbewaffnet. In vier Prozent aller Fälle handelte es sich um einen unbewaffneten Afro-Amerikaner. Die Zahl klingt niedrig, doch man muß da genauer hinsehen. Obwohl Afro-Amerikaner nur sechs Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind 40 Prozent der unbewaffneten Opfer Schwarze gewesen.

Der Großteil der durch die Polizei tödlich Getroffenen sind Weiße. Allerdings, so die Washington Post, spiele die Hautfarbe noch immer eine große Rolle, denn 3 von 5 Opfern, die im Nachhinein nicht als Bedrohung gesehen werden konnten, waren entweder Schwarze oder Hispanics. Die Post hat Berichte und Videos von Uniformkameras und Streifenwagen ausgewertet. Zum ersten Mal überhaupt ist das passiert, bislang hat keine Regierungsstelle im ganzen Land solch eine Datenarbeit vorgenommen.

Die Probleme sind offensichtlich. Polizeieinheiten sehen die Videos der Körperkameras als wichtige Hilfe, um bei den Ermittlungen belegen zu können, dass sie nicht einfach so geschossen haben. Auch wenn sich nachher Juristen wochenlang die Bilder ansehen, um dann festzustellen, dass der Polizist in dieser oder jener Sekunde im Einsatz falsch reagiert hat. Bürgerrechtsgruppen sehen die Kameras als wichtiges Instrument in der Kontrolle der Polizeieinheiten. Und klar, es gibt unter den Hundertausenden von Polizisten auch rassistische, sadistische, verbrecherische Beamten, die man vielleicht mit solchen Bildern stoppen kann.

Die Zeitung belegt in ihrer Analyse, dass Unbewaffnete vor allem erschossen werden, wenn sie weglaufen, schnelle Handbewegungen machen oder nicht sofort den Anweisungen der Beamten folgen. Fehlt da die Schulung, das Training, die Ausbildung? Oder liegt das Problem von nahezu 1000 Toten durch Polizeikugeln in nur einem Jahr darin, dass zu viele Waffen im Umlauf sind, dass die Polizisten nie wissen, auf welche Waffen sie im nächsten Einsatz stoßen werden, dass die Gewaltbereitschaft in den USA um ein deutliches höher ist, als in anderen Ländern?

Und doch, es steht außer Frage und das wird in der Analyse der Washington Post auch deutlich, dass es in den USA noch immer Rassismus gibt. Dass manchmal die Hautfarbe darüber entscheidet, wie eine Polizeikontrolle endet. Auch das ist Alltag in den USA im Jahr 2015.

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