Jeder Muskel schmerzt

Als freier Journalist zu arbeiten ist nicht immer einfach. Immer ist man auf der Suche nach Themen, und wenn man die hat, dann nach Abnehmern. Im Urlaub und bei Krankheit verdient man nichts und Gehaltserhöhungen gibt es auch nicht. Und doch, ich wollte es gar nicht mehr anders. Denn man kann auch einfach sagen, heute mal nicht. Und heute war so ein Tag. Hier in Nordkalifornien herrschen derzeit frühlingshafte Temperaturen. Die Sonne scheint, kaum Wind. Also dachte ich mir, heute gehe ich mal wieder kayaken. Und nicht nur so, sondern rund um Alameda Island. Das ist die Insel, die vor Oakland liegt.

Ich weiß, San Francisco Reisende verschmähen meist die East-Bay, doch das ist ein Fehler. Glauben Sie mir einfach, ich lebe hier schon lange genug. Die Tour, die ich mir heute mal wieder vornahm, ist nicht ohne. Mehr als vier Stunden paddelte ich um die Insel. Am Ende verfluchte ich meine Entscheidung, jeder Muskel in meinen Armen und im Oberkörper schmerzte, der rechte Unterarm wollte nicht mehr, einige Finger meiner rechten Hand verkrampften sich nur noch, die Blasen an den Händen wurden groß und größer.

Doch im Nachhinein ist alles vergessen, die San Francisco Bay Area ist ein wunderschöner Fleck Erde. Im Kayak unterwegs hat man einmalige Ausblicke. Am Anfang ging es vorbei an „Coast Guard Island“, einem Stützpunkt der amerikanischen Küstenwache. Das ist eine kleine aufgeschüttete Insel zwischen Alameda und Oakland. Ich bin kein Vogelexperte, doch ich schätze mehr als ein Dutzend Vogelarten kreuzten meinen Weg, darunter auch geschützte Arten, wie der braune Pelikan. Und immer wieder tauchten Seelöwen auf und schauten dem Bekloppten im blauen Boot zu.

Alameda Island hat eine komische Form. Lange Zeit war die Insel ein Stützpunkt der US Navy. Schutzmauern wurden ins Wasser gebaut, um die Flotte zu sichern. Heute liegt die USS Hornet im Hafen von Alameda, ein alter Flugzeugträger, den man unbedingt besuchen sollte, wenn man in der Gegend ist. Diese Seemauern mußte ich allerdings umpaddeln. Damit kam ich sehr weit raus in die Bay und war dann sogar auf Höhe von Buena Vista und Treasure Island, in der Mitte der Bay Bridge. Der Blick von dort einmalig.

Und dann ging es zurück in den Kanal zwischen Oakland und Alameda. Links der Hafen von Oakland, einer der größten an der amerikanischen Westküste. Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich an den gewaltigen Containerschiffen vorbeigepaddelt war. Trockendocks auf der rechten Seite und dann kommen die Hausboote, die es auch hier gibt, nicht nur in Sausalito, auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge. 20 Jahre lebe ich nun schon in der Gegend, 17 davon in Oakland. Die Stadt hat viele schöne Seiten, eine davon ist die Hafengegend, die „Waterfront“ mit dem Jack London Square. Nach über vier Stunden war ich zurück am Ausgangspunkt, das Kayak konnte ich kaum aus dem Wasser heben. Mit Sicherheit werde ich heute Nacht sehr angenehm und tief schlafen.

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