Die Implosion der Republikaner

Vor einem Jahr sah alles noch so gut aus. Die Republikaner feierten sich für ihr breites Kandidatenfeld. Etliche Gouverneure, Senatoren, Kongressabgeordnete und ein paar beliebte konservative Außenseiter wollten Präsidentschaftskandidat werden. Das republikanische Lager war hochmotiviert, aufgeladen, begeistert, „energized“. Ein Ende der Obama-Ära war in greifbare Nähe gerückt.

Der Ton wird rauher. Donald Trump und Marco Rubio werden keine Freunde mehr. Foto: Reuters.

Donald Trump und Marco Rubio werden keine Freunde mehr. Foto: Reuters.

Was dann folgte war so und in dem Ausmaß nicht abzusehen. Die Republikaner taumelten von einer negativen Schlagzeile zur nächsten. Einer nach dem anderen stieg aus dem Rennen aus, darunter Hoffnungsträger wie Scott Walker, Rick Perry, Chris Christie, Jeb Bush. Und alle blickten verduzt und verduzter auf den Überraschungs-Frontrunner Donald Trump. Der riss schon frühzeitig die Debatte an sich und bestimmte ganz nach Belieben die politische Diskussion in den Reihen der Republikaner. Die anderen lächelten und lachten anfangs nur, doch auf einmal lag Trump mit 20, 30, 40 Prozentpunkten in den Umfragen vorne. Seine skandalösen und zum Teil kindischen Forderungen kamen bei einem Teil der Wähler an.

Nach dem „Super Tuesday“, an dem Trump sieben von elf Wahlen für sich entscheiden konnte, wurden die Republikaner endlich wach. Trump geht gar nicht, hieß es auf einmal von allen Seiten. Doch das kam etwas spät, wenn nicht sogar zu spät. Nun wollen die Republikaner den Donald stoppen, nur wie, das weiß keiner. Alles läuft nun darauf hinaus, dass Marco Rubio und John Kasich ihre Bundesstaaten Florida und Ohio gewinnen. Nur so ließe sich Donald Trump noch aufhalten, was heißt, dass er bis zum Parteikonvent im Juli keine Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann. Erst dann und dort würde ein Kandidat gekürt werden. Die Hoffnung ist, ein anderer als Trump.

Doch bei all diesen Zahlenspielen gibt es viele Unsicherheiten. In den Umfragen liegt Trump nämlich in Florida und in Ohio noch vor Rubio und Kasich, in beiden Bundesstaaten wird übernächste Woche gewählt. Und der Ton verschärft sich bei den Republikanern, der blutige Grabenkrieg wird in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Die amerikanische Fernsehnation wird derzeit allabendlich Zeuge, wie sich die Grand Old Party selbst zerfleischt und abschafft. Wenn die Demokraten eine andere Kandidatin als Hillary Clinton hätten, wäre die Wahl im November schon längst gelaufen. Doch Hillary wird von ihren Skandalen verfolgt, die ihr trotz der derzeit bestmöglichen Ausgangslage noch den Einzug ins Weiße Haus vermasseln könnten.

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