Die deutschen Trumpisten

Auch das noch, ich habe ja sonst nichts zu tun. In den letzten Wochen und Monaten mußte ich als Korrespondent in Radiobeiträgen, Artikeln und Gesprächen oft erklären, was hier in den USA vor sich geht. Ein historischer republikanischer Wahlzirkus, ein Egomane als Frontrunner, Verbaltiefschläge zwischen Penislänge und mexikanischen Vergewaltigern. Dazu ein undurchsichtiges Wahlsystem, das von außen betrachtet so undurchschaubar wie das Regelwerk eines Baseballspiels ist. Oftmals habe ich versucht, die Dinge in Relation zu stellen, auf die niedrige Wahlbeteiligung verwiesen, darauf, dass es ja „nur“ die Vorwahlen sind und sich am Ende ein Donald Trump sicherlich nicht durchsetzen wird.

Wie sich die Aussagen doch ähneln.

Wie sich die Aussagen doch ähneln.

Und da blicke ich heute nach Deutschland, lese, höre und schaue online die Nachrichten. Unfassbar, die AfD gewinnt bei drei Wahlen aus dem Stand den Einzug ins Parlament, wird sogar in Sachsen-Anhalt zweitstärkste Partei und das mit einem Spitzenkandidaten, der am rechten Rand (!) zu finden ist. Die Los Angeles Times titelt dann auch gleich umgehend: „Far-right party surges in German elections after anti-immigrant campaign„. Die AfD beschädigt einfach mal so aus der Hüfte raus das Ansehen Deutschlands. „Far-right“ und „German“ läßt im Ausland gleich aufhorchen.

Nun frage ich mich, warum in der deutschen Berichterstattung in der letzten Zeit kopfschüttelnd nach Amerika geblickt wurde. Unverständnis war in eigentlich allen Berichten über den Rechtsaußen-Wahlkampf eines Donald Trump zu spüren. Und vor der eigenen Haustür gewinnt eine Partei mit den gleichen platten, menschenverachtenden, ja, hirnrissigen Wahlsprüchen und Wahlversprechungen, wie hier drüben ein Kandidat mit Fönwelle. Die AfD ist nicht mehr als ein deutscher Trump-Fanclub. Es entsteht da ein transatlantischer Schulterschluss, auf den ich beim besten Willen gerne verzichten würde.

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