Der Fahrschein ins Leben

Von Oakland nach San Francisco Downtown und zurück nimmt man am besten öffentliche Verkehrsmittel. Kein Stau, keine Parkplatzsorgen und es ist billiger als die Spritkosten, Brücken- und Parkgebühren. Heute mußte ich rüber, direkt auf die Powell Street, um dort ein Interview mit einer Organisation zum Thema „Waffen in den USA“ zu führen. Also, nahm ich die Bart, die U-Bahn in der Region. Dutzende Touristen standen an der Cable Car an und schauten zu, wie eine ankommende Bahn gedreht wurde. Ein paar Obdachlose saßen auf dem Boden, vor einem Hotel gab es eine Protestaktion einer Gewerkschaft. Ein Morgen wie jeder andere in San Francisco.

Erst auf dem Rückweg, als ich mein Ticket wieder aus der Jacke zog, sah ich die Rückseite der Fahrkarte. Darauf die eindeutige Botschaft. Wenn man emotionale Probleme hat oder über Selbstmord nachdenkt, dann soll man die angegebene und kostenfreie Telefonnummer anrufen.

Die Rückseite des Bart-Tickets.

Die Rückseite des Bart-Tickets.

Hinter dieser sehr direkten, doch ganz und gar nicht „schreienden“ Aktion stecken gleich mehrere Gruppen in den verschiedenen Counties, die von Bart angefahren werden. Ein Projekt, das durchaus Sinn macht, denn oftmals kann man in der Bahn mitreisende beobachten, die ihren Gedanken nachhängen. Vielleicht sieht der eine oder die andere diese Nummer und wählt sie in einem stillen Moment.

Selbstmord ist in San Francisco ein durchaus stets aktuelles Thema. Die Golden Gate Bridge ist und bleibt ein Anziehungspunkt für suizidgefährdete Menschen. Ein letzter Blick auf die Stadt, dann der Sprung, der fast immer den sicheren Tod bringt. Krisentelefone wurden zwar auf der Brücke angebracht, ein Suizidnetz soll nun nach einer längeren Debatte unterhalb der Bridge befestigt werden. Doch die Brücke bleibt ein Magnet für Lebensmüde. Vor diesem Hintergrund wirkt die Fahrkartenaktion der Beratungsgruppen in der San Francisco Bay Area als ein wichtiges Signal für Menschen in Not.

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