„San Quentin you’ve been living hell to me“

Ein Samstagmorgen in San Quentin, an einem Wochenende, an dem meine Lange Nacht über das älteste kalifornische Staatsgefängnis auf Deutschlandradio Kultur und dem Deutschlandfunk läuft. Seit 1980 sitzt Reno dort auf Death Row, 1978 wurde er verhaftet. Heute ist er ein alter Mann, er sitzt im Rollstuhl, kann sich kaum erheben, als ich mit einigen Sandwiches, Cola und Popkorn in dem „Besucherkäfig“ eingesperrt werde, in dem er schon wartet.

Das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin.

Das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin.

8:30 ist mein Termin, vor ein paar Tagen hatte ich angerufen und nachgefragt, ob am Wochenende noch ein Besuchertermin offen sei. Am Eingang von San Quentin warten Dutzende Frauen auf den Einlass. Ich bin der einzige Mann, der in der Besucherreihe steht. Kontrolle, Metalldetektor und dann der lange Spaziergang zur „Bastille by the Bay“. Wie oft bin ich diesen Weg schon in den letzten 20 Jahren gegangen? Damals, 1996, war alles noch neu, ein komisches Gefühl im Bauch begleitete mich auf diesem ersten Besuch. Heute ist alles Normalität, man grüßt „Correctional Officers“ und andere Besucher. Ich weiß, nach was ich in den Automaten für Reno suchen muß, wie die Mikrowelle funktioniert, ein kleiner Plausch noch mit dem zuständigen Strafvollzugsbeamten, bevor der mich dann in den Käfig einsperrt. Reno, der schon drin ist, muß die Hände durch einen kleinen Schlitz stecken, ihm werden Handschellen angelegt, dann wird die stählerne Stahlschiebetür geöffnet, ich darf eintreten, die Stahltür schließt sich mit einem lauten Krachen. Anschließend die gleiche Prozedur, die Handschellen werden abgenommen. Eine kurze Umarmung, „Hello, here I am“.

Wir reden über alles mögliche, wir lachen, scherzen, essen und trinken gemeinsam. Reno fragt viel nach, will wissen, wen ich wählen werde. Ich erzähle ihm von meinen anstehenden Reisen, von dem, was ich gerade mache, von meinem Hund. Ein paar Stunden Unterhaltung, bevor ich zurück nach Oakland fahre, um mir das DFB Pokalfinale im Internetradio anzuhören und er zurück in seine 1,40 x 2,30 Meter große Zelle geht. Alltag in San Quentin.

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