Was ist nur los, Amerika!

“This is one of our suspects. Please help us find him!.” Das war eine Nachricht der Polizei in Dallas am Donnerstagabend. Veröffentlicht wurde das Bild von Mark Hughes, einem Verdächtigen nach den gezielten Schüssen auf Polizeibeamte am Rande einer friedlichen Protestaktion gegen Polizeigewalt. Warum die Polizei Hughes als Verdächtigen identifizierte, lag an dessen AR-15 Gewehr, das er über der Schulter trug. Und das ist legal in Texas. Bürgerinnen und Bürger dürfen offen Waffen tragen. Noch Fragen!? Mark Hughes war keiner der Schützen, er war nur ein Teilnehmer der Demonstration und wollte mit seiner Waffe Stärke zeigen. Eine Überwachungskamera hatte Bilder von ihm gemacht. Doch die Knarre machte ihn verdächtig und hätte tödliche Konsequenzen haben können, wenn die Polizei ihn zuerst gefunden hätte. Hughes wurde darauf hingewiesen, dass er ein Verdächtiger sei und meldete sich freiwillig bei der Polizei. 30 Minuten später war alles aufgeklärt.

Eigentlich wollte ich heute über die 491 Menschen schreiben, die in den ersten sechs Monaten in den USA durch Polizeikugeln getötet wurden. Die jüngsten Vorfälle in Baton Rouge am Dienstag und in Falcon Heights am Mittwoch zeigten erneut auf, dass irgendetwas in den USA nicht stimmt. Was genau, das weiß eigentlich niemand. Hilflos wird gerade nach Ursachen gesucht. Rassismus, Waffengeilheit, Gangster-Culture, Armut, Ungleichheit… wer in diese Diskussion in den USA einsteigt, der findet kein rasches Ende. Eine schnelle Antwort gibt es nicht, und wird es auch nicht geben. Eigentlich müsste man sagen „the train has left the station“. Denn bei aller Aufregung über die Vorfälle der letzten Tage, Dallas miteinbezogen, es fehlt der politische Wille, die Einheit im Land, wirklich die Grundübel der gesellschaftlichen Krise anzugehen.

In den letzten Tagen habe ich an einem längeren Feature über die Waffendebatte in den USA gearbeitet. Interviews abgetippt von Leuten, die für den freien, ungehinderten Zugang zu Pistolen und Gewehren sind. Sie sagen, die amerikanische Verfassung garantiert ihnen dieses Recht. Egal, um was für ein Kaliber, um was für eine Knarre es sich handelt. Auf eine Diskussion darüber, dass die „Founding Fathers“ damals mit Musketen schossen, die nicht gerade treffsicher waren, interessiert sie nicht. Die Auslegung, ihre Auslegung des „Second Amendment“ ist klar.

Und dann sind da die Gegner, die Befürworter von strengeren Waffengesetzen, die durchaus ihre Grenzen sehen, doch diesen „uphill battle“ führen. Einen Kampf, der sogar so weit geht, dass die „National Rifle Association“ so großen Druck auf republikanische Abgeordnete ausübt, dass keine öffentlichen Gelder für wissenschaftliche Arbeiten über die Gefahren von Waffen ausgegeben werden dürfen. Weder darf es eine Zählung der Knarren im Umlauf geben, noch eine Untersuchung, ob und wenn ja welche der etwa 33.000 Waffengesetze in den USA funktionieren.

Und nein, ich will hier nicht die NRA an den Pranger stellen. Na ja, ein bißchen vielleicht. Amerika müsste auf vielen Ebenen ansetzen, um die Probleme zu lösen. Doch dafür gibt es keinen Willen und auch keine politische Mehrheit. „We’re doomed“, wie man hier so schön sagt. Nach uns die Sintflut

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