Auf ein Bierchen in der „Gay Bar“

Die deutsche Fahne am Oberen See.

Die deutsche Fahne am Oberen See.

Copper Harbor liegt ganz oben in der Upper Peninsula of Michigan. Und ich meine ganz oben, da, wo sich die Wölfe und die Elche gute Nacht sagen. Außenrum nur der „Lake Superior“, der Obere See. Riesig, wie ein Binnenmeer bestimmt der See hier das Wetter. Innerhalb von 20 Minuten kann es sich dramatisch ändern. Deshalb heißt es in der UP auch, wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte 20 Minuten.

Die Gegend ist wunderschön, sehr skandinavisch, viel Wald, Wind und Wasser. Und dazu das Gefühl am Ende der Welt zu sein. Hier passiert nicht viel, außer irgendein Waldtier latscht mal über die Straße. Schönste Häuser und Grundstücke stehen zum Verkauf, doch sie verkaufen sich nicht. Hier will man weg- und niemand will hinziehen. Keine Jobs und sechs Monate im Jahr tiefster Winter. Wer nicht gerade auf Fischen, Jagen und ein hartes Klima steht, der ist hier fehl am Platz.

Umso überraschter war ich, als ich hier oben auf das „Harbor Haus“ stieß, ein Restaurant direkt am Wasser mit „German/Austrian flavor“. An der Außenwand ein paar gemalte Trachtenträger, dahinter wehte dann die deutsche Fahne. In Copper Harbor fand ich dann auch „Grandpa’s Barn“, ein wunderschöner, kleiner Buchladen. Hier fand ich dann „Upper Peninsula Beer – A history of brewing above the bridge“. Und natürlich kommen darin einige der deutschen Brauer vor, die sich hier in der Gegend niederließen und mit dem Brauen anfingen. Darunter Bosch und Haas.

Von Copper Harbor ging es dann über eine Landstraße auf die Ostseite der Peninsula. Und dort liegt das Örtchen Gay, wie es heißt, eine Geisterstadt. So schlimm ist es dann auch nicht, immerhin wohnen dort einige Leute. Klar, auch hier stehen etliche Häuser leer, einige verfallen, aber Gay ist noch weit von einer „Ghost town“ entfernt. Im Zentrum dann die „Gay Bar„, und nein, die Kneipe ist nicht bekannt für die wilde Gay-Szene Michigans. Vielmehr wurde das Städtchen nach Joseph E. Gay benannt, einem der Gründer der „Mohawk and Wolverine Mining Company“.

Die Bar ist so, wie man sich eine Kneipe in einem entlegenen Fleckchen Erde vorstellt. Ein paar Leute an der Theke, ein Billiardtisch, ein paar Tische und Stühle. Als „Fremder“ fällt man gleich auf. Woher kommst Du? Kalifornien. „Oh, I heard they have quite some nuts there“. HaHaHa, die paar Leute an der Theke lachen laut. „Nuts“ steht hier nicht nur für Nüsse, sondern auch für Bekloppte. Die „Gay Bar“ hat ihren Charme!

Die UP von Michigan ist ein wunderschöner, vergessener Teil der USA. Irgendwo da oben, hinter Wisconsin und mitten im großen See. Hier kommt man nicht zufällig vorbei, es dauert mehrere Stunden, bis man über den Highway 120 von Süden kommend ans Ziel gelangt. Aber es lohnt sich, die USA mal ganz anders zu entdecken.

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