Die freiwillige Sprachlosigkeit

Die Hauptstadt Somalilands von oben.

Die Hauptstadt Somalilands von oben.

Zumindest für ein paar Tage, kann, ja soll ich nicht darüber schreiben, mit wem ich hier spreche, wen ich besuche, wen ich treffe, was ich erfahre. Nach einem langen Nachtflug und einem mehrstündigen Aufenthalt in Addis Abeba bin ich schließlich am späten Morgen Ortszeit in Hargeisa gelandet. Ich glaube, hier hat sich auf den ersten Eindruck seit November nicht viel verändert. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war erfüllt mit Huperei, Kamelherden und unzähligen Ziegen, die kreuz und quer durch die Gegend wanderten, ein Rudel ausgezehrter Straßenhunde lag neben einem Esel im Schatten eines Baumes. Der Fluß führte etwas Wasser. Und überall der Abfall, den der Wind schon irgendwann wegtragen oder der von den Ziegen, zumindest zum Teil, verspeist wird.

Zuerst stand nach meiner Ankunft das Sicherheits-Briefing an. Somaliland ist sicher, Spannungen gibt es hier keine, oder zumindest nichts im Vergleich zu South-Central Somalia, dort, wo Mogadischu liegt, dort, wo die Al-Shabaab Milizen ihren Terror ausleben, jenes zerrüttete Somalia, das wir aus den Medien kennen. Bei Reisen außerhalb der Hauptstadt Hargeisa wird dennoch ein bewaffneter Sicherheitsbeamter mit dabei sein. Das ist die Auflage der Regierung, nichts schlimmes und spiegelt auch nicht die Stimmung im Land wider. Es soll wohl mehr das Sicherheitsgefühl stärken. Darüberhinaus, so hieß es, sollte ich abends nicht mehr alleine auf die Straße gehen, tagsüber sei das jedoch kein Problem.

In diesem Briefing wurde mir auch gesagt, ich solle ersteinmal nichts darüber schreiben, was ich hier mache und vorhabe. Beim letzten Aufenthalt gab es ja den seltsamen Zwischenfall, da hatte eine lokale Zeitung in Somaliland mein NZ-Blog aufgegriffen, falsch übersetzt und dann den Namen und das Bild einer nichtverwandten Anne Peltner auf ihre Seite gestellt. So kann es gehen. Diesmal also soll das nicht passieren, ich werde ganz behutsam sein….über das Wetter schreiben (sonnig, leicht windig, angenehm warme Temperaturen), über das Essen (zum Mittag Salat, abends dann ein Curry mit Reis), über das Hotelzimmer (sauber, Dusche, Klo und ein schreiendblaues Moskitonetz über dem Bett), über die ersten Eindrücke (siehe oben mit den Kamelen und Ziegen).

Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und ich werde sicherlich über meine Gespräche, meine Erfahrungen und Erlebnisse hier schreiben. Ich bin ja auch ganz offiziell als Journalist mit passendem Visum eingereist, nun werde ich alles eben einfach etwas später veröffentlichen. Ich hoffe, meine werten Leserinnen und Leser sehen mir das nach. Meine Grundregel bei solchen Reisen in Länder und Regionen, in denen es krachte oder kracht lautet immer, ich höre mir das an, was jene zu mir sagen, die dort leben. Ich glaube, die wissen ganz gut, was für einen Besucher aus dem Westen, der dazu auch nicht einfach so in der Menge eintauchen kann, am besten ist. Zumindest bilde ich mir ein, dass das der richtige Ansatz ist. Heute ging es schon los, morgen geht es weiter, ein volles Programm wartet auf mich.

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