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Das Burning Man Festival 2016     

Da bin ich wieder in der wirklichen Welt. Mehr als ein halber Tag Putzen und Entstauben liegen hinter mir, der Playa-Dust ist wirklich überall, in jeder Ritze. Der Wagen musste gründlichst gereinigt werden, denn der Staub erzeugt ein chemische Reaktion, wenn man ihn den läßt.

Es waren intensive Tage beim Burning Man. Schräges und Schrilles sieht man dort, grandiose, beeindruckende Kunstprojekte und auch Dinge und Objekte nach dem Motto was-will-mir-der-Künstler-damit-sagen. Aber alles ist gut auf der Playa. Was das Schöne bei Burning Man ist, man redet mit so vielen Leuten, mit denen man sonst nie in ein Gespräch verwickelt werden würde. Da war Scott aus Dallas, der auf der Anreise einen heftigen Streit mit Jimmy hatte, den er seit 30 Jahren kannte. Jimmy setzte Scott einfach aus, direkt neben meinem Camper. Als ich vom Medienzentrum zurück kam, lag da ein Haufen Zeugs im Wüstensand und Scott meinte, er sei hier zum ersten Mal und was er nun machen solle. Am Ende war alles gut, wir hatten viel Spaß miteinander.

Da war Katja aus Moskau, die mich eines Nachts im „Center Camp“ ansprach, ob es hier irgendwo eine WiFi-Verbindung gebe. Ich meinte, keine Ahnung. Sie zeigte mir auf ihrem Telefon ein Bild ihrer Tochter und sagte, sie müsse unbedingt ihre Kleine anrufen, sie vermisse sie so sehr. Ich bot ihr an, mit Skype daheim anzurufen, doch Katja meinte, Skype sei in Russland nicht erlaubt. What’s App funktionierte nicht, also sagte ich ihr, sie solle einfach anrufen. „Ehrlich? Es ist teuer.“ „Well, don’t talk for half an hour“, meinte ich lächelnd. Sie rief an, hörte ihre Tochter, war „happy“, legte auf, weinte, umarmte mich. Mit einem zufriedenen Lächeln ging sie in die Nacht hinaus.

Da war „Wipe out“, der gleich bei mir campte und schon morgens um 10 vier Budweiser weggedrückt hatte. An einem Abend fuhr er mit auf die Playa, doch das war nicht so einfach, denn „Wipe out“ meinte, er könne gut auf einem Rad fahren. Auf einer Strecke von drei Kilometern überschlug es ihn viermal, einmal drückte er voll die Vorderbremse und flog in hohem Bogen über den Lenker. „Alles ok, ich glaub‘, ich hab mir nur den einen Zahn angebrochen“, sagte er ganz ruhig. Als ich anhielt, um mir was anzusehen, war er auf einmal weg. Am nächsten Tag war er erst abends zu sehen, er sei noch etwas mitgenommen von der letzten Nacht, am Morgen sei er neben einem Camper aufgewacht. Kein Wunder, es blieb anscheinend nicht bei den vier Überschlägen.

IMG_2191Da war Jim, ein netter Alt-Hippie aus Carson City. Er erzählte viel über Nevada, die Landschaft, was es hier alles zu sehen gibt und wie sehr das Burning Man-Festival diesen Teil Nevadas verändert habe. Früher sei hier nichts los gewesen, nun kämen das ganze Jahr über Touristen, die sich die Black-Rock-Wüste und -Berge auch außerhalb des Festivals ansehen wollten. Für die kleinen Gemeinden im Umkreis sei das sehr gut, doch für viele Aussteiger, die hier ihre Ruhe finden wollten, sei es zu einem Fluch geworden.

Und dann war da David Best, der Künstler, der alljährlich den Tempel errichtet. Er, völlig verstaubt, erzählte vom Loslassen, von der Kraft des Lösens, der mitfühlenden Gemeinde. Ein sehr schönes und auch nachdenklich machendes Gespräch mit einem Ausnahmekünstler.

Ein paar Tage Burning Man sind eine Reise in ein ganz anderes Sein. Der Kampf mit der harten Umwelt, das Erleben und Erfahren von Kunst und Community, das Eintauchen in ein ganz anderes Leben…und so seltsam es auch klingen mag, es ist ein Loslassen von vielem, was einen, was auch mich im täglichen Leben zurückhält. Burning Man ist eine einzigartige und einmalige Reise.

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