Der Cowboy ohne Rückgrat

Ted Cruz präsentierte sich im Wahlkampf als Erzkonservativer. Anfangs kam er noch gut mit Donald Trump aus. Die beiden waren höflich zueinander, lobten sich gegenseitig, ergänzten sich auf der Vorwahlkampfbühne. Doch damit war Schluß, als Donald Trump direkt Ted Cruz angriff. So, wie er es zuvor bei anderen Kandidaten gemacht hatte, darunter Jeb Bush und Marco Rubio. Trump verbreitete Hohn, Spott und Lügen über Ted Cruz. Er fragte, ob dieser überhaupt Amerikaner sei, denn Cruz wurde in Calgary, Kanada, geboren. Dessen Vater, kubanischer Einwanderer, sei in das Attentat von John F. Kennendy verwickelt gewesen. Typisch Trump sagte er, „die Leute reden, ich weiß das nicht, aber die Leute reden“. Das saß, damit waren die Bandagen abgelegt, es kam zu einem offenen Schlagabtausch zwischen dem texanischen Senator und dem New Yorker Milliardär. Letzterer hielt sich nicht zurück und griff auch die Ehefrau von Cruz an. Trump kannte und kennt kein Erbarmen im Wahlkampf.

Ted Cruz schwört Donald Trump die Treue. Foto: Reuters.

Ted Cruz schwört Donald Trump die Treue. Foto: Reuters.

Ted Cruz brandmarkte Trump als „pathologischen Lügner“, als „Scheinkonservativen“, als „charakterlos“. Doch all die Lügen, die verbalen Tiefschläge, die Kraftausdrücke und Beleidigungen des Donald schienen die republikanischen Wähler nicht zu stören. Trump wurde auf dem Parteitag der „Grand Old Party“ als ihr Kandidat gewählt. Doch Ted Cruz verweigerte sich auf diesem Jubelfest einer direkten Unterstützung des selbstverliebten Trump. Der blaffte zurück, das sei ihm egal, er wolle und brauche die Unterstützung des Texaners gar nicht. Ted Cruz hingegen spaltete mit seiner Entscheidung die Partei. Einige meinten, der Vorwahlkampf sei vorbei, nun müsse man Gräben zuschütten und gemeinsam nach vorne blicken. Andere hingegen, darunter namhafte Politiker und Talk-Show Moderatoren, priesen den Senator für seine Standhaftigkeit. Immerhin habe sich Donald Trump nie für seine Verbalattacken gegen Cruz und dessen Familie entschuldigt.

Und nun ist Ted Cruz eingeknickt. Er unterstütze jetzt doch Donald Trumps Kandidatur fürs Weiße Haus und hoffe, der New Yorker werde im Januar ins Weiße Haus einziehen können. Dieser Entschluß scheint nicht aus Überzeugung zu kommen, eher aus politischem Kalkül, denn Cruz muß sich in zwei Jahren einer Wiederwahl als Senator stellen und in den letzten Wochen pfiff ihm der Gegenwind um die Ohren. Von Wählern aus Texas, von politischen Wegbegleitern, doch vor allem von wichtigen Geldgebern, die er für eine erfolgreiche Kandidatur und Wiederwahl braucht. Cruz knickt ein, zeigt damit, dass er überhaupt kein Rückgrat hat und sich von Donald Trump vorführen, beleidigen und erniedrigen lässt. Und das ohne Konsequenzen. „Goodbye Ted“, Du hast es nicht besser verdient.

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