Kubanische Rauchwolken über den USA

Am 1. Juni 2000 war Bill Clinton zu Gast in Berlin. Damals war Gerhard Schröder Bundeskanzler und leistete sich einen diplomatischen Fauxpas, der es in sich hatte. Seine Parteigenossin und Entwicklungshilfeministerin, Heidemarie Wieczorek-Zeul, hatte Schröder zuvor von einem Besuch auf Kuba eine Kiste kubanischer Zigarren mitgebracht. Mindestens eine, denn der Zigarrenfan Schröder überreichte dem Zigarrenliebhaber Clinton ein Kistchen, quasi von Genießer zu Genießer. So zumindest war es gedacht.

Kubanisch-Amerikanische Freundschaft mit Rauchzeichen. Foto: Reuters.

Kubanisch-Amerikanische Freundschaft mit Rauchzeichen. Foto: Reuters.

Doch dieses Geschenk war in doppelter Hinsicht ein Fehltritt. Zum einen war nach der „I did not have sexual relations with that woman“-Affäre bekannt, dass Clinton im Oval Office eine seiner Zigarren dorthin steckte, wo Monica Lewinsky sie sicherlich nicht haben wollte. Zum anderen waren im Jahr 2000 die Beziehungen zwischen den USA und Kuba nicht gerade auf dem besten Stand der Dinge, das amerikanische Embargo hatte noch immer weitreichende Folgen, eine davon, Amerikanern war es verboten nach Kuba zu reisen und kubanische Produkte in die USA einzuführen. Bill Clinton mußte sich also mit diesem zwar gut gemeinten, aber total unpassenden Willkommensgeschenk verarscht vorgekommen sein.

Doch das ist nun 16 Jahre her. Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba haben sich unter Präsident Barack Obama deutlich verbessert, es deutet sich sogar eine Normalisierung zwischen den Nachbarn an. Und die geht soweit, dass Amerikaner nun wieder auf den Inselstaat reisen dürfen und, sie dürfen seit Freitag auch wieder kubanische Zigarren und kubanischen Rum mit nach Hause bringen. Die Zigarrenindustrie in den USA sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Man freut sich darüber, dass endlich wieder richtige „Kubaner“ im Land der unbegrenzten Möglichkeiten genossen und in Rauch aufgehen dürfen. Aber man sorgt sich auch, dass nun viele Amerikaner direkt ihre Zigarren aus Havanna importieren werden. Die US-Tabakindustrie und viele Smoke-Shops in den USA rechnen mit einem Einbruch des Umsatzes von 10-15 Prozent. Das sind dann wohl die Kosten des freien Marktes.

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