„Wir haben nicht genug zum Essen“

Was sagt man da, wenn man so etwas hört? „Wir haben nicht genug zum Essen“. Die Ernte war schlecht, wiedereinmal. Vor 20 Jahren gab ein Hektar Land in dieser Region im südlichen Niger noch 100 Büschel Hirse her, heute sind es gerade noch 30 Büschel. Der Regen kommt immer seltener und wenn, dann ist es zu wenig.

Ein Hirsefeld im Süden des Niger.

Ein Hirsefeld im Süden des Niger.

Doch viele, mit denen man hier spricht, sind davon überzeugt, dass man diese und zukünftige Krisen meistern kann. Es geht um Anpassung, um Umstellen, um neue Ideen verwirklichen, um Bildung. Die traditionelle Art der Landwirtschaft erreicht ihre Grenzen, die Erträge reichen nicht aus, um die Familien in den Dörfern zu ernähren. Diese Gegend um Maradi im Süden des Niger ist eine der großen Problemregionen. Hier ist die Kindersterblichkeit hoch, so hoch, wie nirgends sonst. Das ist statistisch betrachtet die bittere Realität. Trockene Zahlen drücken das Ausmaß der Krise aus. Kinder sind unterernährt oder sterben an den Folgen der falschen Ernährung. Und es ist nicht so, dass man hier in den Dörfern die große Wahl hat, was es zum Essen gibt. Meist ist es ein Brei aus gestampfter Hirse und Ziegenmilch, wenn überhaupt. Und wenn die Ernte nicht genügt… ein Kreislauf mit unvorstellbaren Folgen.

CARE unterstützt in einigen dieser Dörfer verschiedene Projekte, man arbeitet hier mit lokalen Organisationen zusammen. Eines dieser Projekte ist die Datensammlung. Mitten auf einem sandigen Feld, gleich neben dem Schulraum steht ein Metallpfosten, oben angebracht ein Gefäß, in dem der Niederschlag gesammelt und gemessen wird. Der Regenmann ist ein großer, hagerer Mann, er lacht verlegen während des Gesprächs, so, als ob er nicht weiß, wie er meine wohl naiven Fragen beantworten soll. Um uns herum eine Gruppe von Männern, die interessiert zuhören. Der Regenmann heißt Ibrahim und erzählt, dass er über jeden Tropfen der vom Himmel fällt Buch führt. Von der Menge des Regens hängt es ab, ob und was die Farmer im Dort aussäen. Anpassung heißt das. Anpassung an die erschwerten Bedinungen zu überleben.

So werden die NIederschlagsdaten gesammelt.

So werden die NIederschlagsdaten gesammelt.

Die Daten werden gesammelt und weitergereicht. Solche Messstellen gibt es nun mehrere, damit vergleicht man auch die Situation vor Ort mit den allgemeinen Messungen im Niger und West-Afrika. Hier in diesem Dorf arbeitet CARE an der Umstellung der Landwirtschaft, dem Schulen der Frauen und Männer. Es geht um anderes Saatgut, Weideplätze, die Bodennutzung. Anpassung ist ein Wort, das immer wieder fällt. Anpassung an den Klimawandel erzählt mir eine Bäuerin und ich muß dabei an die politische Debatte in den USA denken, wo nach wie vor viele, darunter auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump, den Klimawandel anzweifeln. Im US Kongress werden Gelder für Forschung und Hilfsprojekte blockiert, weil alles ein „Klimaschwindel“ sei und man diesem Betrug nicht aufsitzen wolle. Das sollten sie dem Regenmann Ibrahim erzählen, der in seinem Buch nicht viel zu schreiben hat.

Was in den vielen Gesprächen in den Dörfern immer wieder auffällt ist die Zuversicht der Menschen. Der Klimawandel sei eine große Herausforderung, die jedoch angenommen wird. Eine ältere Frau in einem buten Kleid sagt lachend auf Hausa, sie seien Bauern und werden das auch bleiben. Und auch das ist bemerkenswert in diesem Land. Es will keiner weg. Auch wenn der Niger als Durchgangsland für viele Flüchtlinge aus West-Afrika zählt, Agadez der letzte Halt vor der großen Wüste ist, die Menschen im Niger bleiben. Sie wollen nicht weg, sind verbunden mit ihren Dörfern, mit dem Boden, mit ihrer Kultur. Das sollte man hören und sehen und vor allem unterstützen.

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