„Mein Kind hat Fieber“

22 Betten in einem Saal, die Fenster sind geöffnet, um etwas Luft in den warmen Raum zu lassen. Einige Babies schreien, Frauen liegen auf den Matratzen, dösen vor sich hin. Ein paar beobachten die Weißen, die sich die Gesundheitsstation ansehen. Ein weiterer Morgen im südlichen Niger, Bezirk Maradi. Nach 45 Minuten Autofahrt über eine Holperstraße kommen wir in Madarounfa an, diesmal begleitet von einem Pickup mit Soldaten.

Im Büro des Krankenhausleiters erhalten wir die Zahlen, die die Krise ausdrücken. In der 41. Woche des Jahres 2016 sind 283 Kleinkinder mit moderater und 307 mit schwerer Unterernährung eingeliefert worden. Sieben Babies starben. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr wurden 197 Kinder mit moderater und 632 mit schwerer Unterernährung behandelt, 12 starben an den Folgen des Hungers. Diese traurigen Zahlen zeigen dennoch auf, dass der Kampf gegen die Unterernährung Erfolg hat.

Eine Mutter sagt, ihr Kind habe Fieber, deshalb sei sie hier. Eine andere meint, sie sei schon einmal hier gewesen. Beide halten Kleinkinder im Arm, die viel jünger aussehen, als sie sind. Die Unterernährung führt zur Unterentwicklung. Ich stehe in diesem Saal und nehme auf. Als Radiojournalist macht man das, still dastehen für mehrere Minuten und die Töne aufnehmen, die man um sich herum hört. In diesem Fall ein Saal mit Betten, auf denen Frauen sitzen, liegen, dösen, Kinder mit großen Augen umher blicken, schlafen, schreien. Und in so einem Moment frage ich mich schon, was ich hier eigentlich mache, wer das eigentlich lesen und hören will, was hier im südlichen Niger passiert?

Hirse, Wasser, Milch, Erdnußöl ergeben den Brei für Kinder.

Hirse, Wasser, Milch, Erdnußöl ergeben den Brei für Kinder.

Die Fahrt geht weiter in ein Dorf, in dem CARE an der Wurzel des Hungerelends arbeitet. Ein Projekt mit dem Namen „Mütter des Lichts“. Im Dorf wurden Helfer angelernt, die regelmäßig Familien mit Kleinkindern aufsuchen, über Gesundheits- und Hygienefragen sprechen und vor allem die Kleinsten in der Familie „vermessen“. Also den Umfang der Arme mit einer dreifarbigen Schablone abmessen. Grün, Gelb, Rot sind die Farben und jeder weiß, für was sie stehen. Bei Gelb werden die Kleinen an die Gruppe der „Mütter des Lichts“ im Dorf verwiesen. 15 Tage lang kommt die Mutter dann mit ihrem Kind zu den täglichen Treffen. Dort tauscht man sich über Ernährung aus, wird geschult, die Kinder gewogen und der Armumfang gemessen und vor allem gemeinsam gegessen. Ein Brei aus Hirse, Milch, Erdnussöl und Wasser wird zusammen gerührt. Viele der Kinder sind gerade deshalb unterernährt, weil sie nur die Hirse bekommen. Doch das langt nicht, Mangelerscheinungen und Unterernährung sind die Folgen.

Genau da wird angesetzt, Aufklärung und Bildung über die richtige Ernährung. Und wenn das Kind nach 15 Tagen nicht zugenommen hat oder in den roten Bereich abrutscht, wird es in eines der 22 Gesundheitszentren im Bezirk oder direkt in das Krankenhaus nach Madarounfa geschickt.

Es ist ein scheinbar einfaches Projekt, das jedoch erfolgreich ist, gerade, weil es sich unproblematisch und direkt an die Mütter wendet, den Kleinkindern sofort hilft und vor allem Präventionsmaßnahmen gegen die Unterernährung vermittelt. Derzeit ist man jedoch nur in 31 Dörfern aktiv, eine Ausweitung wäre nötig, um besser flächendeckend arbeiten zu können. Doch dafür fehlen die Mittel. CARE hat mit Spenden die Infrastruktur für die 22 Zentren aufgebaut, ist mit einer Partnerorganisation in den Dörfern aktiv, die die „Mütter des Lichts“ geschult haben. Aber es sind nur 31 Dörfer in einem Bezirk, in dem es mehrere Hundert Dörfer gibt. Es kann etwas getan werden, ganz einfach, ganz direkt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *