Denk‘ ich an die USA in der Nacht…

Das gibt es nicht! Wie kann das sein? Die republikanische Mehrheit im Senat und Abgeordnetenhaus bleibt und dann sieht alles nach einem Sieg von Donald Trump aus. Was das bedeutet ist ein Erdrutsch im Land, vier Jahre, in denen die USA einen Weg einschlagen werden, der mehr als folgenreich sein wird. Ich lebe in Oakland auf einer Insel, in Kalifornien auf einem riesigen Island. Das Leben hier am Pazifik hat nichts mehr mit dem im Rest der USA zu tun. Das zeigt dieser Wahlabend.

Mir geht gerade so einiges durch den Kopf. Trump punktet bei weißen Männern und Frauen, die ein Land haben wollen, das ich nicht will. Sie haben ein Bild von den USA, das so ganz anders ist, als das, in dem ich lebe. Da gibt es sehr viele Gräben in den USA, die an diesem Abend nur noch viel, viel tiefer erscheinen, nein, geworden sind.

Ein Land, in dem all das eintrifft, für was Donald Trump in diesem Wahlkampf geworben hat, ist gerade sehr verstörend. Und wohl nicht nur gerade. Da kommen vier Jahre auf uns zu, an die ich noch nicht denken will, aber nun muß. Er will eine Mauer zu Mexiko bauen, die Gesundheitsreform rückgängig machen, erzkonservative Verfassungsrichter einsetzen, freien Zugang zum Waffenbesitz schaffen. Allein diese vier Punkte hätten bei allen Bauchschmerzen für die Kandidatin Hillary Clinton, die Wählerinnen und Wähler abstimmen lassen müssen. Ein klares Zeichen setzen müssen. Einem Wahnsinnigen Einhalt gebieten müssen. Und das betrifft uns ja nur im Land selbst. Was sich da nun international zusammen braut, ist noch gar nicht absehbar, aber es wird ein Gewitter geben.

Doch nichts, Hillary Clinton hat deutlich weniger Stimmen in all den traditionellen Wählerschichten der Demokraten eingefahren, als Barack Obama noch vor vier Jahren. In diesen Stunden kann man den Demokraten die Niederlage nur selbst zuschreiben. Eine von vornherein umstrittene Hillary Clinton zur Kandidatin zu machen war der große Fehler. Ein Vorwahlsystem zu haben, in dem der andere Kandidat überhaupt keine Chance hat, zeigte, wie korrupt das System wirklich ist. Doch die Parteimaschine wollte Hillary, nun haben sie die Rechnung für dieses Spielchen bekommen.

Und dann sind da die Wähler. Afro-Amerikaner, Latinos, die nicht wählen gingen oder noch schlimmer, zum Teil für jemanden votierten, der ihnen in diesem Wahlkampf offen sagte, sie seien Menschen zweiter Klasse. Sozial Benachteiligte, die sich mit ihrem Nichtabstimmen gerade selbst den dünnen Boden unter ihren Füssen selbst weggezogen haben. „Make America great again“, der Wahlspruch, der für mich immer wie Hohn klang. Mit Trump im Weißen Haus und einer republikanischen Mehrheit im Kongress werden andere Saiten in den USA aufgezogen. Mir wird angst und bange.

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