Ich schalt‘ mein Radio an

Heute am 13. Februar ist der Welttag des Radios. Und der sollte beachtet werden, denn Radio ist nicht nur 30 Jahre Lokalfunk in Nürnberg, ist nicht nur die abstrakte Diskussion über Digitalisierung und trimediale Berichterstattung. Radio lebt und ist wichtiger denn je.

Hier gehts zu Radio NIYYA-FM.

Afrika ist der Kontinent des Radios. Das hat viele Gründe, einer der wohl wichtigsten ist, dass die Kosten in der Technologie und Produktion, aber auch die Kosten des Empfangs deutlich unter denen des Fernsehens und der Printmedien liegen. Hinzu kommt, dass die Verbreitung von Radiosendungen um ein vielfaches einfacher ist, als die Fernsehübertragung. Radiogeräte und seit ein paar Jahren “smart phones” mit der Möglichkeit Radioprogramme zu empfangen sind weit verbreitet. Was darüberhinaus in afrikanischen Ländern ausschlaggebend für die Beliebtheit des Radios ist, ein großer Teil der Bevölkerungen in zahlreichen Staaten kann weder lesen noch schreiben. Sie beziehen ihre Informationen und Nachrichten vor allem über den Hörfunk.

Während in Nordamerika und Europa seit Jahren vom Ende des Hörfunks gesprochen wird, boomt der Radiomarkt in Afrika. Seit den 90er Jahren kamen neben den Staatsrundfunkanstalten immer mehr Privatsender und auch Community Stationen hinzu. Darüberhinaus strahlen nach wie vor internationale Anbieter, wie die BBC, die Deutsche Welle oder auch Radio France International ihre Rundfunkprogramme in verschiedenen Sprachen aus. Radio ist zu einem “vertrauten und weit verbreiteten Medium in den Industrienationen geworden und zur gleichen Zeit hat es die entlegensten Regionen in den ärmsten Ländern der Welt erreicht.” (DFID – Department for International Development, UK)

Der Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt, auf dem “Human Development Index” der Vereinten Nationen nimmt das Land regelmäßig den letzten Platz ein, die Fertilitätsrate von 6,89 (2014) ist die höchste weltweit, 74 % der Männer und 90 % der Frauen sind Analphabeten, die Kinderarbeit ist weit verbreitet. Die Probleme im Land bedingt durch den Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Desertifikation und die Terrorgefahr von außen wachsen stetig an.

Eierkartons an der Wand helfen gegen den Hall im Sendestudio.

Auf meiner jüngsten Reise in den Niger konnte ich auch wieder einen Sender im südlichen Teil des Landes besuchen. Community Stationen, offene Kanäle, Bürgerfunk und College Sender liegen mir seit jeher sehr am Herzen. Meine eigene Radiosendung “Radio Goethe” wird seit über 20 Jahren auf Dutzenden solcher Sender in sechs Ländern ausgestrahlt. Mein beruflicher Werdegang als Hörfunkjournalist begann beim nichtkommerziellen Sender “Radio Z” in Nürnberg.

NIYYA FM in Tchadoua ist eine Community Station, wie es sie viele im Niger gibt. Doch hier werden neben Musik, Nachrichten und Unterhaltungssendungen auch Gesundheitsprogramme ausgestrahlt. Das sind mal “Public Service Announcements” (PSA), kurze 1-2 minütige Spots zu verschiedensten Gesundheitsthemen, das sind Talk-Sendungen mit Fachleuten und Höreranrufen, das sind Beiträge und „Soap Operas“, in denen wichtige Themen aufgegriffen werden. Und die reichen von der Familienplanung über hygienische Standards im Haushalt bis hin zu Ernährungstipps und Behandlungsmethoden bei Erkrankungen. Der interessante Aspekt war und ist dabei, dass nicht eine NGO auf die Idee für diese Programminhalte gekommen ist, sondern vielmehr die Frauen im Sendegebiet an die Station herangetreten sind und darum gebeten haben.

Den Frauen ging es darum, wichtige Informationen für ihr alltägliches Leben zu erhalten, um diese umsetzen zu können. Unterstützt werden die Sender und die Programme von mehreren internationalen NGOs, wie CARE, in Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen. Im Niger gibt es zahlreiche Community Stationen, die ähnliche Programme wie NIYYA ausstrahlen und die belegen, wie wichtig nach wie vor Radio ist. An diese Sender sollte man heute am Welttag des Radios denken. An jene Stationen, die mit wenig Mitteln sehr viel erreichen. Radio ist ein einfacher und direkter Weg Nachrichten und Informationen zu verbreiten.

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